Dr. Gerhard Schmidt beendet nach 37 Jahren seine Arbeit im Stiftungsrat der NRD

12.04.2018

Dr. Gerhard Schmidt beendet nach 37 Jahren seine Arbeit im Stiftungsrat der NRD

Nach 37 Jahren der ehrenamtlichen Tätigkeit im Stiftungsrat der Nieder-Ramstädter Diakonie nahm Dr. Gerhard Schmidt, 75, am 8. April seinen offiziellen Abschied von der NRD. Der „Aufsichtsrat von Weltklasse“ – so wurde Schmidt in einer der Dankesreden genannt – hatte sich einen bescheidenen Ausstand gewünscht. Nach dem Sonntags-Gottesdienst in der Lazaruskirche der NRD gab es daher einen kleinen Empfang mit großer Würdigung und herzlichen Dankesworten.

Der Mediziner, der 1980 von Frankfurt nach Darmstadt gekommen war, um die Leitung des Gesundheits-Dezernates im dortigen Regierungspräsidium (RP) zu übernehmen, war „ein Glücksfall für die NRD“, wie der ehemalige Vorstand Walter Diehl feststellte. Dass Gerhard Schmidt 1981 an sein Ehrenamt im Aufsichts-Gremium der damaligen „Nieder-Ramstädter Heime“ geriet, war jedoch kein Zufall. Denn Schmidts Interesse an Menschen, die anders sind, war längst geweckt.

Während seines Medizinstudiums in Frankfurt hatte er in den Semesterferien als Hilfspfleger in der Psychiatrie gejobbt und  die „elenden Bedingungen kennengelernt, unter denen psychisch kranke Menschen  hinter Mauern ihr Leben fristen mussten“, wie er selbst sagt. Deswegen begrüßte er 1975 die Psychiatrie-Enquete des Bundestages, den umfassenden Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland. Die Enquete leitete die strukturelle Neugestaltung der psychiatrischen Versorgung unter menschenwürdigen Bedingungen in stationären, teilstationären und ambulanten Diensten ein. So zögerte Gerhard Schmidt nicht lange, als ihn sein Amts-Vorgänger im RP fragte, ob er nicht an seiner Stelle im Aufsichtsrat der Heime mitarbeiten wolle. Schmidt hat Ja gesagt – und es wurde eine lange Verbindung.


Radikal neues Denken

Wie NRD-Vorstand Christian Fuhrmann in seiner Ansprache rekapitulierte, traf Schmidt 1981 die Heime in einer wirtschaftlich desolaten Lage an. Der Verwaltungsleiter wurde entlassen, Walter Diehl übernahm ab 1982 die Aufgabe, die Einrichtung wirtschaftlich zu konsolidieren und zukunftsfähig zu machen. Mit dem Eintritt von Hans-Christoph Maurer  als pädagogischem Vorstand begann 1992 für Gerhard Schmidt die, wie er sagt, „spannendste Zeit. Maurer hat ein radikal neues Denken angestoßen und gemeinsam mit außergewöhnlichen Mitarbeiter*innen beharrlich in die Tat umgesetzt“. Es ging um einen Paradigmenwechsel vom medizindominierten zum mitmenschlichen Blick auf behinderte Menschen, auf ihre Fähigkeiten, Wünsche und Bedürfnisse.


Die Vorstands-Zeit von Walter Diehl (35 Jahre) und Hans-Christoph Maurer (22 Jahre) hat Gerhard Schmidt im Aufsichts-Gremium begleitet, dessen Vorsitz er 2002 übernahm. Damals hieß das Gremium noch „Verwaltungsrat“, mit der Umwandlung des Trägervereins zum „Stiftungsverein“ wurde es 2010 in Stiftungsrat umbenannt.


„Die Zusammenarbeit mit Gerhard Schmidt  war immer von Vertrauen, Offenheit und persönlichem Interesse geprägt“, sagte Walter Diehl in der Feierstunde. „Vorstände anderer Träger haben uns um diesem Mann beneidet“. Wie viel Zeit Gerhard Schmidt in den fast vier Jahrzehnten seines Ehrenamtes in die NRD investiert habe, das könne man schlicht nicht ausrechnen, so Diehl. Schmidt bestätigt das mit dem Hinweis,  die Arbeit für die NRD habe ihn sowohl fachlich, als auch persönlich sehr interessiert.
Einen großen Blumenstrauß erhielt Schmidts Frau Brigitte als Zeichen des Dankes dafür, dass sie ihren Mann stets unterstützt hat, der NRD so viel Zeit zu opfern.


„Sein Rat hat Gewicht“

Arno Allmann, Dekan des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land und Schmidts bisheriger Stellvertreter im Stiftungsrat, leitet nun das Gremium bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden. „Als sein Stellvertreter hatte ich nie viel Arbeit. Gerhard Schmidt hat alle Sitzungen perfekt vorbereitet und mich stets über alles auf dem Laufenden gehalten“, so Allmann. Christian Fuhrmann, seit August 2017 Vorstand der NRD, kennt Gerhard Schmidt ebenfalls aus der gemeinsamen Zeit im Stiftungsrat, in dem er seit 2012 mitwirkte. „Sein Rat hat Gewicht“, sagte Fuhrmann, „Gerhard Schmidt ist ein strategisch und langfristig denkender Mensch und extrem zuverlässig. Absolut bemerkenswert ist auch seine Allgemeinbildung, das war immer sehr bereichernd.“


Vorständin Brigitte Walz-Kelbel kam auf ein privates Hobby von Gerhard Schmidt zu sprechen – die Beobachtung von Vögeln – und zog eine Parallele zum Verhältnis zwischen Vorstand und Stiftungsrats-Vorsitzendem: Dieser müsse wie ein Ornithologe die Kunst beherrschen, zu lauschen, Stimmen richtig zu deuten und zuzuordnen. Außerdem unterstrich die Vorständin den Wunsch von Gerhard Schmidt, die Orientierung im Sozialraum, die nach der Regionalisierung nun anstehe, nachdrücklich zu betreiben und Mitarbeitende dafür entsprechend weiterzubilden. Walz-Kelbel betonte außerdem die Wichtigkeit von politischer Unterstützung vor Ort.


Gerhard Schmidt benannte in seiner Dankesrede einige wichtige Meilensteine seiner Zeit in der NRD, die eine ganze Generationsspanne umfasst: Das Primat der Pädagogik anstelle der Medizin; den Abriss der Mauer um das Gelände in Nieder-Ramstadt, die Zuordnung des psychologischen und pflegerischen Dienstes zum pädagogischen Bereich, die Vorbereitung und Entscheidung zur Regionalisierung; die Schließung des ärztlichen Dienstes; die Niederlegung des Fliednerhauses als äußeres Zeichen des festen Willens, den Weg der Veränderung unbeirrt zu gehen.


„Es gibt nur eine Welt“

Schmidt, der jede Sitzung des Stiftungsrates mit einer kurzen Besinnung eröffnet hatte, wählte diesmal zum Abschluss einen Gedanken aus einer aktuellen Lektüre, der als Wegweiser zu verstehen ist. Er zitierte den afrikanischen Politikwissenschaftler und Historiker Achille Mbembe: „… es ist ganz  vergeblich, Mauern und Einfriedungen zu bauen, zu zergliedern, zu klassifizieren, zu hierarchisieren oder solche von der Menschheit auszugrenzen, die man abwerten möchte, die man verachtet, die uns nicht ähnlich sind oder mit denen wir uns, wie wir meinen, niemals verstehen werden. Es gibt nur eine Welt, und auf die haben wir alle ein Anrecht. Diese Welt gehört uns allen gleichermaßen und wir alle sind ihre Miterben, auch wenn wir nicht in derselben Weise darin leben – daher ja gerade die reale Vielfalt der Kulturen und Lebensweisen.“

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