Luther95 - ein Bild wird gemeinsam aufgebaut

26.04.2018

Luther95 - ein Bild wird gemeinsam aufgebaut

Mühltal. - In Anwesenheit des Eltviller Künstlers Michael Apitz wurde heute das Bild "Luther95" in der Lazaruskirche aufgebaut. Am inklusiven Happening beteiligten sich gut 30 Menschen aus der NRD. Das Bild wird bis zum 13. Mai zu sehen sein.

Auf dem Boden der Lazaruskirche liegen vier Meter lange Holzlatten, daneben schwarz gestrichene Platten. Nach und nach füllt sich die Kirche mit den unterschiedlichsten Menschen aus der Nachbarschaft, der Mühltal-Werkstatt, der NRD-Verwaltung. Alle warten gespannt auf das, was dort entstehen soll. Der Künstler Michael Apitz hat zwei Freunde mitgebracht – Handwerker, die ihm beim Aufbau des Bildes „Luther 95“ helfen. Denn bevor das eigentliche Bild entsteht, muss die Rückwand aufgestellt sein. Ein Träger, der solide genug ist, um das knapp vier Meter hohe und drei Meter sechzig breite Bild zu halten. Die schwarze Rückwand ist schnell aufgerichtet, darauf geschrieben steht „Luther 95“. Jetzt geht es richtig los.

In neun großen Kisten sind die 95 Einzelteile des Bildes verstaut. Jeder Besucher und jede Besucherin sind eingeladen, beim Aufbau mitzuhelfen. Während leise die Orgel spielt, bewegt sich eine lange Schlange, jeder und jede mit einem Bild in der Hand, nach vorne, wo Michael Apitz das Bildelement entgegennimmt und an der Wand befestigt. 95 kleine Holztafeln hängt er mit Hilfe der Gruppe nacheinander auf. Von rechts nach links, von unten nach oben, zwölf nebeneinander, acht Reihen übereinander. Die Vorrichtung ist gut ausgetüftelt, denn das Bild wurde schon häufiger auf- und wieder abgebaut.

Es geht lebendig zu in der Lazaruskirche, die Anwesenden haben sichtlich Freude an der Arbeit. Am Ende, als das fertige Bild vollständig erkennbar ist, gibt es großen Applaus. „Das war der schönste Aufbau des Bildes, den ich erlebt habe“, sagte Michael Apitz.

Und tatsächlich sind es 96 Holztafeln, die zusammen ein großes Bild ergeben. Viel Rot und Schwarz und ein heller Ockerton. In der Mitte der Reformator Martin Luther, der in der Hand eine Bibel hält. Die Bibel in einem knalligen hellen Rotton, der umliegende Bereich und die ganze rechte Bildhälfte sind in dunklem Rot gehalten. Auch die Mönchskutte Luthers ist zur Hälfte rot – es wirkt wie ein roter Lichtstrahl, könnte aber auch ein großer Blutfleck sein. Es liegt ganz im Auge des Betrachters. Das Gesicht Luthers ist ganz hell, die Blässe steht in großem Kontrast zum Rest des Bildes. Der Blick ist ernst.

NRD-Vorstand Christian Fuhrmann war der Initiator der Ausstellung. Er hatte das Kunstwerk im vergangenen November in der Darmstädter Pauluskirche gesehen und den anwesenden Künstler sofort angesprochen, ob das Bild auch in der NRD gezeigt werden könne. Gesagt, getan.

Michael Apitz sagt selbst, dass der Luther in der „Pose des Widerständlers, als ‚Protestant‘“ zeigen will, der sich „trotzig, noch als [katholischer] Mönch, gegen die in seiner Zeit vorherrschenden Ansichten“ stellt. Beim näheren Betrachten wird aus der linken hellen Fläche eine Manuskriptseite, handschriftlich beschrieben. Es ist das Manuskript von Luthers deutschsprachiger Bibelübersetzung sein, an das hier erinnert werden soll.

An diese besondere Leistung erinnert Beate Braner-Möhl, die in der NRD für die diakonischen Belange zuständig ist. Indem Luther die Bibel in die Landessprache übersetzte, wollte er allen Menschen, nicht nur den bis dahin exklusiven Experten, den der lateinischen und griechischen Sprache mächtigen Theologen, das Studium der Bibel ermöglichen. In diesem Sinne wollte Luther so etwas wie Inklusion erreichen, auch wenn sich dieser Begriff im Kontext der Reformation nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung bezieht.

Viel Symbolik hat Michael Apitz in seine Arbeit hineingesteckt: Holz als zeitgenössisches Material, 95 Einzelteile (auch wenn es tatsächlich 96 sind) in Erinnerung an die 95 Thesen, die Luther im Jahr 1517 an die Kirchentür in Wittenberg schlug. Der Bildumfang von 1.517 Zentimeter nimmt auf eben dieses Jahr Bezug. Und natürlich hat Apitz das Bild aus Anlass des Lutherjahres 2017, in dem 500 Jahre Reformationen allen Ortes gefeiert wurde, angefertigt. Selbst Mitglied der evangelischen Kirche, hat Apitz ein ambivalentes Verhältnis zu Martin Luther. Das ist auch im Bild zu sehen, auf dem rechts das Rot dominiert. „Es steht für Luthers Leidenschaft, aber auch für das viele Blut, das infolge der Reformation im 30-jährigen Krieg und der Verfolgung von Menschen jüdischen Glaubens geflossen ist.“

Bis zum 13. Mai wird „Luther 95“ in der Lazaruskirche zu sehen sein. Während der Sonntagsgottesdienste am 6. Und am 13. Mai kann man sich mit dem Kunstwerk beschäftigen. Außerdem wird die Kirche vom 2. Bis 4. Mai, sowie vom 7. Bis 9. Mai ganztags geöffnet sein.

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