Umzug im Krisenmodus - 16 Menschen gewöhnen sich in Dieburg an neue Wohnverhältnisse

23.03.2020

Umzug im Krisenmodus - 16 Menschen gewöhnen sich in Dieburg an neue Wohnverhältnisse

16 Frauen und Männer sind in der vergangenen Woche auf dem Dieburger NRD-Gelände Auf der Leer in neue Häuser umgezogen. Der Weg war kurz, denn die Pavillons, in denen die Menschen bislang gewohnt haben, liegen auf demselben Grundstück wie die Neubauten. Dennoch fand der Umzug am 17. März unter besonderen Bedingungen statt: Es war Tag 1 der wegen der Pandemie geschlossenen Werkstätten und Tagesförderstätte in der NRD.

Die neun Personen, die im Normalfall acht Stunden am Tag bei der Arbeit sind, blieben also mit den fünf Rentner*innen zuhause und alle 16 wurden im alten Verwaltungs-Pavillon betreut, während ihre Möbel in die neuen Wohnungen transportiert und dort aufgebaut wurden.

„Es hat funktioniert“, sagt die Wohnverbunds-Leiterin Bettina Grünewald, „wir hatten ja eine Umzugsfirma beauftragt und es waren einige Mitarbeitende als Manager im Einsatz. Die Betreuung der Bewohner*innen konnten wir dank der Unterstützung von NRD-Kolleg*innen leisten, die ansonsten in der Tagesförderstätte tätig sind.“

Fünf Tage vor dem Umzug – am Tag der offenen Tür – lebten die Dieburger NRD-ler*innen so wie wir alle noch in einer anderen Welt. Zahlreiche Interessierte, darunter die Bewohner*innen selbst, ihre Angehörigen und etliche NRD-Mitarbeitende, waren der Einladung gefolgt, die beiden neuen Wohnhäuser und das dritte Gebäude für Verwaltung und Tagesangebote vor dem Einzug zu besichtigen. Dicht an dicht saßen und standen die Teilnehmenden zusammen, lauschten den kurzen Grußworten und freuten sich über Kaffee und Kuchen, bevor sie zum Rundgang starteten.

Regionalleiter Christoph Mohn hatte die Anwesenden begrüßt und dann das Wort an die NRD-Vorständin Brigitte Walz-Kelbel übergeben, die eine Geschichte aus dem Neuen Testament heranzog,  um das Prinzip des Bundesteilhabe-Gesetzes zu erklären: Auf dem Weg nach Jerusalem wird Jesus von dem blinden Bettler Bartimäus angefleht: „Jeus, erbarme dich meiner!“ Jesus wendet sich dem Bettler zu und fragt ihn: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Bartimäus bittet darum, sehen zu können. Und Jesus heilt ihn.

Das Teilhabe-Gesetz aus der Bibel erklärt

Die fragende Haltung, die den Wunsch des Gegenübers in Erfahrung bringen möchte, nannte Brigitte Walz-Kelbel als die entscheidende Haltung, die das Teilhabe-Gesetz fordert: Die Betroffenen selbst sollen sagen, was sie brauchen; ihre Helferinnen sollen sie dabei unterstützen, selbstbestimmt zu leben.

„Es sieht gemütlich aus“, stellte Dieburgs Bürgermeister Frank Haus fest, der den Bewohner*innen und Mitarbeitenden wünschte: „Fühlen Sie sich wohl! Hier und in der Stadt Dieburg!“ Bei der anschließenden Besichtigung konnten sich die Besucher*innen  davon überzeugen, dass es in den neuen Häusern wirklich schön und auch gemütlich ist.

Dass die gemeinschaftlichen Bereiche wie Küchen und Wohnzimmer neu eingerichtet wurden, hat den Umzug, der fünf Tage später im Krisen-Modus stattfand, etwas erleichtert, wie Bettina Grünewald feststellt. Nun geht es darum, dass alle sich an das neue Konzept der aufsuchenden Betreuung gewöhnen. Dass man nicht mehr in der Großgruppe zusammenwohnt, passt zwar gut zu den aktuellen Corona-Vorschriften der Bundesregierung, „doch unsere Bewohner*innen sind noch nicht daran gewöhnt, sich längere Zeit alleine in ihren Zimmern aufzuhalten“, so Grünewald. Anstatt wie bislang in WGs zu je acht Personen zusammen zu wohnen, teilen sich nun acht Personen vier Wohnungen in einem Haus. Es gibt eine Vierer-WG, eine Zweier-WG und zwei Einzel-Apartments in jedem der beiden Wohnhäuser. Gut, dass das Dieburger Team Auf der Leer zusätzliche Unterstützung von zwei Kolleginnen des Familien unterstützenden Dienstes hat. So stehen jetzt tagsüber fünf Mitarbeitende zur Verfügung, die Zeit darauf verwenden können, die Schutzregeln zu erklären.

Nicht alle begreifen die Regeln

„Nicht alle können begreifen, worum es wirklich geht. Dass es jetzt wichtig ist, Abstand zu halten“, sagt Bettina Grünewald. „Dafür müssen die Mitarbeitenden immer wieder sorgen.“ Ideal ist, dass jede Wohnung einen direkten Zugang zum eingezäunten Garten hat. So können sich alle auch ohne Begleitung nach draußen bewegen. Zwei der Bewohner – Bettina Grünewald nennt sie liebevoll „unsere Freigeister“ – sind es gewohnt, jeden Tag eine Zeitlang in der Stadt unterwegs zu sein. Das klappt bis jetzt ohne Probleme, denn sie sind als Einzelgänger am liebsten alleine unterwegs.


Ruhe bewahren, Sicherheit geben – das ist das Motto für Bettina Grünewald, die als Leiterin des NRD-Wohnverbunds für 49 Bewohner*innen und 53 Mitarbeitende an drei Standorten zuständig ist. Mitarbeitende nehmen inzwischen ein Infoschreiben mit, wenn sie einkaufen gehen. Darin wird erklärt, dass sie als Mitarbeitende der NRD für etliche Bewohner*innen einkaufen. Dies hat sich als sinnvoll erwiesen, denn es ist schon einige Male passiert, dass Kolleg*innen von anderen Kund*innen darauf angesprochen wurden, warum sie „Hamsterkäufe“ tätigen. Aktuell wird Auf der Leer in Dieburg das Toilettenpapier knapp.

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