25.03.2025
Seit jeher sind die Mitarbeiter*innen eine der tragenden Säulen der NRD. Zu ihrem 125-jährigen Bestehen starten wir hier eine kleine Serie, die sich mit Klient*innen und den Mitarbeiter*innen im Wandel der Zeit beschäftigt.
In den vergangenen 125 Jahren hat sich die Welt in einem rasanten Tempo verändert. Von den beiden Weltkriegen und den daraus resultierenden Neuordnungen hin zur Erfindung des World Wide Web – die Menschen mussten und konnten sich im 20. Jahrhundert immer neuen Bedingungen anpassen. So änderten sich auch immer wieder nicht nur die Mitarbeiter*innen- und Klient*innen-Zahl der NRD, auch die Berufsbilder lesen sich heute mitunter exotisch.
Das Bild oben entstand am 17. Oktober 1900 - am Tag der offiziellen Einweihung der "Anstalt". Mit dabei: das Großherzogliche Paar Victoria Melita (links im Mantel) und Großherzog Ernst-Ludwig (mit Zylinder hinter dem Bäumchen).
Die Anfänge der NRD
Zur Vorgeschichte der NRD gehört, dass im Jahr 1898 in Nieder-Ramstadt per Flugblatt zur „Gründung einer Heil- und Pflegeanstalt unserer hessischen epileptischen Kinder und Jugendlichen“ aufgerufen wurde. Schirmherrin war damals die Großherzogin von Hessen-Darmstadt, Prinzessin Viktoria Melita. 1899 begann man mit dem Bau des ersten Hauses, des ab 1955 so genannten „Fliedner-Hauses“. Es wurde 2009 niedergelegt. Im Jahr 1900 nahm die neue Institution ihre Arbeit auf – 18 Klient*innen zählte sie in ihrem ersten Jahr. Eine Zahl, die bis zum Jahr 1938 auf 647 ansteigen sollte.
Bezogen sich die Klient*innen-Zahlen bislang ausschließlich auf Hessen, ist 1941 erstmals zusätzlich von 74 Klient*innen in Jugenheim, Rheinland-Pfalz, die Rede. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, 1945, unternimmt die NRD einen Neuanfang – mit 71 Klient*innen – insgesamt wohlgemerkt! Schon zwei Jahre später waren es wieder 305.
Von den 601 Klient*innen 1951 lebten 97 in der „Lungenheilstätte“ im Haus Magdala. Zwischen den 1950er und 1990er Jahren schwankte die Klient*innen-Zahl zwischen 1035 (im Jahr 1954) und 515 (1980), bevor sie 2007 mit 1.600 unterstützungsbedürftigen Menschen einen historischen Höchststand erreichte. Zu erklären sind die Zahlen mit dem stetig wachsenden Angebot der NRD vor allem im Wohn- und Arbeitsbereich.
Genauso dynamisch entwickelten sich die Anzahl der NRD-Mitarbeiter*innen – und deren Berufsbilder. Zählte die „Epileptischen-Anstalt Viktoria-Melita-Stift zu Nieder-Ramstadt bei Darmstadt“ im Jahr 1900 genau fünf Mitarbeiter*innen – einen Anstaltsleiter, zwei Männern in der Knabenstation und zwei Pflegerinnen in der Mädchenstation – waren es 1903 bereits 23 Angestellte. Pflegerinnen und Pfleger bildeten schon damals die Mehrheit: Im Knabenhaus gab es einen Oberpfleger und sechs Pfleger, im Mädchenhaus sechs Pflegerinnen. Hinzu kam ein Gärtner, ein Kutscher, ein Schneider, ein Hausdiener (der zugleich auch als Heizer und Bäcker arbeitete), eine Haushälterin, eine Näherin, ein Haus- und drei Dienstmädchen.
Eine „halbe Kraft“
Immer neue Berufe kamen hinzu, Bezeichnungen änderten sich. Aus dem Anstaltsleiter wurde der Anstaltsvorsteher, dann der Direktor, Berufe differenzierten und entwickelten sich. So gab es 1906 beispielsweise unter den insgesamt 29 Kolleg*innen eine Speisesaal- und eine Bügelstubenschwester, einen Schweinefütterer und eine Viehmagd. Außerdem gab es 1907 einen Oberpfleger Ökonomie unter den „31,5 Menschen“, die damals in der „Epileptischen-Anstalt zu Nieder-Ramstadt“ arbeiteten – und einen Bürolehrling.
Komma fünf? In den historischen Jahrbüchern der damaligen Zeit ist ab 1907 von einer „halben Kraft“ die Rede. Das waren – Zitat: „Pfleglinge, die wegen eines körperlichen und geistigen Mangels außerstande sind, sich im öffentlichen Leben selbständig zu behaupten, andererseits aber, wenn auch nur unter Aufsicht, arbeitsfähig sind.“
Teil II beschäftigt sich mit den Jahren ab 1929.
Quellen: Gunkel-Buch und NRD-eigene Jahresberichte
© Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie
Bodelschwinghweg 5 - 64367 Mühltal - Tel.: (06151) 149-0 - Fax: (06151) 144117 - E-Mail: info@nrd.de