13.11.2025
Als Emre Aksoy im Juli 2024 beim Bewerbungsgespräch im Büro von Julia Eith (stellvertretende Leitung Service & Care) sitzt, versteht und spricht er kaum ein Wort Deutsch. Nur mit Hilfe einer Übersetzungsapp können sich die beiden damals verständigen. Heute, nur etwas mehr als ein Jahr später, kann sich der 25-Jährige, der aus der Türkei stammt, fließend auf Deutsch unterhalten und hat in der NRD Fuß gefasst.
Doch der Weg dahin war nicht einfach, erzählt Aksoy. „Eigentlich wollte ich zuerst deutsch lernen und dann hierherkommen“. Seine Pläne änderten sich jedoch plötzlich. Der Grund dafür: eines der verheerendsten Erdbeben in der Geschichte der Türkei und Syriens, das im Februar 2023 ganze Städte zerstörte und rund 62.000 Todesopfer forderte. Auch Emre Aksoy musste das Erdbeben hautnah miterleben, verlor Freunde und sah seine Heimstadt Hatay in Trümmern liegen. Er beschloss, seinen Weg nach Deutschland schon jetzt anzutreten. Ganz allein, ohne Freunde und Verwandte, machte er sich auf die Reise und wurde erstmal vom deutschen Winter begrüßt. „Als ich angekommen bin, waren es Minus drei Grad. Mir war sehr kalt. Auch der Schnee war für mich ganz unbekannt“, erzählt der junge Mann und lächelt dabei.
Doch, wie ist der 25-Jährige, der in der Türkei eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer absolviert hat, schließlich zur NRD gekommen? Über „Involas“, ein Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, hat er von einem ehemaligen NRD-Mitarbeiter, der inzwischen dort arbeitet, den Tipp erhalten, sich bei der NRD zu bewerben. Gesagt, getan. Im Rahmen des NRD-Projektes „Qualifizierung in der Hauswirtschaft“ landete seine Bewerbung auf dem Schreibtisch von Julia Eith. „Herr Aksoy erzählte mir von seinem beruflichen Werdegang und seinem Wunsch, in Deutschland im Pflegebereich zu arbeiten – vor allem, um Menschen zu helfen. Besonders betont hat er, dass er keine Berührungsängste habe und ihm der Umgang mit Menschen sehr am Herzen liege“, erinnert sich die Leiterin des NRD-Bereiches „Service & Care“. Schnell wurde klar, dass es passt und so begann Emre Aksoy zunächst im Reinigungsservice zu arbeiten.
Nach neun Monaten öffnete sich für ihn eine neue Tür. Dank seiner guten Arbeit und seines unermüdlichen Ehrgeizes, Deutsch zu lernen, konnte er vor kurzem in die NRD Altenhilfe wechseln. Dort arbeitet er nun als Pflegehelfer in einer Hausgemeinschaft. „Mir macht die Arbeit mit den älteren Leuten sehr viel Spaß. Besonders seitdem mein Deutsch besser geworden ist“, erzählt Aksoy und ergänzt: „Ich bin froh darüber, dass die NRD mir geholfen hat, passende Sprachkurse zu finden. Jeden Tag habe ich mehrere Stunden Deutsch gelernt; auch in meiner Freizeit. Jetzt hoffe ich, bald die B2-Prüfung* zu bestehen. Dann wird auch meine Ausbildung aus der Türkei anerkannt.“
Und der junge Mann hat noch mehr Pläne für die Zukunft. Im August 2026 wird er seine Ausbildung in der Pflege der Altenhilfe der NRD beginnen. Bis dahin möchte er die Zeit nutzen, um den Arbeitsbereich kennenzulernen und seine Sprachkenntnisse noch weiter zu verbessern. Darüber hinaus plant er, in Kürze von Darmstadt, wo er zurzeit in einer Flüchtlingsunterkunft lebt, nach Nieder-Ramstadt zu ziehen.
Alle, mit denen Emre Aksoy in der NRD bisher zu tun hatte, nicht zuletzt die Klient*innen, um die er sich mit vollem Herzblut kümmert, hoffen sehr, dass auch sein Aufenthaltsstatus schon bald geklärt sein wird. Feststeht: Egal, wie es kommt – Emre Aksoy wird seine Pläne auch weiterhin zielstrebig verfolgen. „Der Weg hierher war nicht einfach, aber ich habe gelernt, dass es sich lohnt, für seinen Traum zu leben und zu kämpfen.“
Schon gewusst?
Das Projekt „Qualifizierung in der Hauswirtschaft“ richtet sich an Menschen mit Migrationshintergrund und Sprachbarrieren, die zunächst niedrigschwellig im Reinigungsservice einsteigen und dann – je nach Entwicklung – in andere Bereiche wie Betreuung, Pflege oder Ausbildung wechseln können.
* Kurz nach unserem Interview für diesen Text hat Emre Aksoy leider die B2-Deutschprüfung nicht bestanden. Er ist in die Türkei zurückgekehrt, um nicht offiziell ausgewiesen zu werden. Er hofft auf eine zweite Chance und bemüht sich nun um ein Arbeitsvisum. Die NRD unterstützt ihn dabei und drückt ihm fest die Daumen, dass er bald zurückkommen kann!
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