19.03.2026
Der Landrat des Kreises Mainz-Bingen, Thomas Barth, hat den Wohnstandort der Nieder-Ramstädter Diakonie in Oppenheim besucht. Er ließ sich von Klient*innen das Haus zeigen, die Angebote erklären und ging im Anschluss in einen politischen Austausch mit dem NRD-Vorstand.
Es herrscht freudige Erwartung im Wohnstandort der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) in Oppenheim, als Landrat Thomas Barth zusammen mit der Kreisbeigeordneten Almut Schultheiß-Lehn und Volker Conrad, dem Abteilungsleiter Soziale Hilfen in der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, ankommen. Schon da spüren sie die Offenheit des Hauses: Bewohner*innen führen ihre Gäste durch die Räumlichkeiten, erklären Angebote und teilen Geschichten aus ihrem Alltag.
Ingo Bartsch, seit 2022 Leiter der Wohneinheit, begrüßt die Besucher zusammen mit Sophie Weichsler und Luca Neger vom Heimbeirat. „Die Lage hier in Oppenheim ist einfach ideal – Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, S-Bahn-Anbindungen, alles direkt vor der Tür“, sagt Bartsch. Die Atmosphäre ist herzlich, die Bewohner*innen spüren das Interesse und die Wertschätzung.
Landrat Barth, selbst vertraut mit dem Leben mit Unterstützungsbedarf – sein Zwillingsbruder lebt mit einer geistigen Einschränkung – fühlt sich sichtlich wohl: „Für mich ist das absolut normal. Berührungsängste hatte ich nie, ich bin damit groß geworden. Ich habe mich sehr auf diesen Termin gefreut!“
Die Heimbeiratsmitglieder lassen die Gäste an ihrem Leben teilhaben. Sophie Weichsler erzählt: „Wir unternehmen viel – je nachdem, was in Oppenheim los ist: Mittelaltermarkt, Kerb, Theater oder Disco im Haus der Jugend.“ Luca Neger lacht: „Und demnächst geht’s nach Italien – wir freuen uns schon riesig!“ Bartsch ergänzt: „Wir versuchen so viele Aktivitäten wie möglich außerhalb des Hauses anzubieten. Die Nachbarn hier sind offen und herzlich, wir fühlen uns sehr wohl in Oppenheim.“
Nach der Hausführung beginnt der politische Teil des Besuchs. Die Diskussion dreht sich vor allem um das Bundesteilhabegesetz (BTHG), das seit 2017 schrittweise in Kraft getreten ist. „Das Gesetz ist gut gemeint, aber oft verschlimmbessert es die Situation“, meint Thomas Barth. Besonders der bürokratische Aufwand sei enorm, wirft Ingo Bartsch ein: „Menschen warten über ein Jahr, bis über ihre Hilfen entschieden wird – und sind dann oft aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen.“ Eltern und Betreuer*innen nicken zustimmend. Thomas Neger, Vater von Luca, ergänzt: „Es wird oft keine Lösung gesucht, sondern Hürden aufgebaut. Die Leidtragenden sind immer die Menschen, für die die Hilfen gedacht sind.“
NRD-Vorstand Dr. Thorsten Hinz betont verschiedene Herausforderungen der Umsetzung: „Es ist beispielsweise oft schwer, abzugrenzen, wo die Leistungen der Kranken- und Pflegekassen enden und das BTHG beziehungsweise die Eingliederungshilfe beginnt. Diese Diskussionen kosten leider allen Beteiligten viel Zeit und damit Geld. Unsere Wartelisten sind lang, die Nachfrage steigt stetig. Wir müssen Wege finden, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Dafür braucht es politische Lösungen!“
Auch Schultheiß-Lehn greift ein praktisches Beispiel auf: „Fünf Integrationskräfte in einer Klasse sind nicht zielführend. Fällt eine aus, leidet das Kind. Deshalb haben wir nun fünf Kräfte pro Schule vorgesehen, die sich vertreten können.“ Christian Fuhrmann, kaufmännischer Vorstand der NRD, ergänzt: „Alles hängt mit allem zusammen. Eine stabile Wirtschaftskraft ist die Basis für alles, das darf man nicht aus den Augen verlieren.“
Zum Abschluss richtet der Landrat lobende Worte an die NRD: „Was Sie hier leisten, ist mehr als ein Beruf – es ist Berufung. Sie entlasten sehr viele Menschen, dafür danke ich Ihnen von Herzen!“ Auch Volker Conrad lobt die NRD: „Chapeau! Die Entwicklung hier in den letzten Jahren ist vorbildlich.“
Und so verlässt die Delegation das Haus mit einem klaren Eindruck: Hier wird Engagement gelebt, wird Hilfe konkret spürbar – und die Menschen, um die es geht, stehen im Mittelpunkt.
Bild ganz oben: v.l.: Dr. Thorsten Hinz, Thomas Barth, Volker Conrad, Almut Schultheiß-Lehn, Thomas Neger, Antonietta Villani-Grossmann (Mutter einer Bewohnerin), Luca Neger, Christian Fuhrmann, Andreas Schambach (Bruder einer Bewohnerin), Jacqueline Meurer (Fachberatung), Ingo Bartsch, vorn im Rollstuhl: Sophie Weichsler
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