Neue Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld eröffnet

15.09.2026

Neue Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld eröffnet

Am Freitag, 4. September, hat die NRD die Eröffnung ihrer neuen Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld gefeiert. Rund 150 geladene Gäste kamen zum offiziellen Teil der Veranstaltung, bevor sich am Nachmittag die Türen für alle Interessierten öffneten.

Rund eineinhalb Jahre nach dem Spatenstich war es endlich so weit: Die inklusive Zierpflanzen-Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld hat eröffnet. Die 27 Menschen mit Behinderung und das vierköpfige Gärtnerei-Team hatten diesem Tag lange entgegengefiebert. „Vor allem unsere Klient*innen freuen sich sehr darauf, dass nun Menschen in unsere Gärtnerei kommen, um ,ihre‘ Produkte zu kaufen und sich beraten zu lassen“, sagt Teamleiter Anselm Kubicek.

Es war der erwartet turbulente Tag. Begrüßt wurden die Gäste von NRD-Vorstand Christian Fuhrmann und Björn Bätz, der die beiden großen Geschäftsbereiche Soziale Teilhabe und Teilhabe am Arbeitsleben leitet. Unter den Gästen waren Darmstadts Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Barbara Akdeniz, Vertreterinnen des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Diakonie Hessen, der Vorstand der Stiftung Hofgut Oberfeld (SHO), zahlreiche Kommunalpolitiker*innen sowie Freunde und Freundinnen und Familien der Klient*innen sowie viele NRD-Kolleg*innen. Auch viele Beschäftigte aus dem Landschafts- und Gartenbau der NRD in Rheinland-Pfalz ließen es sich nicht nehmen, persönlich an der Feier teilzunehmen. Werkstatträtin Birgit Sponagel begrüßte die Gäste sogar mit einer selbst verfassten kurzen Rede.

Zahlreiche Gäste fanden sich zur offiziellen Eröffnung in der neuen Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld ein. (alle Bilder: NRD)
Zahlreiche Gäste fanden sich zur offiziellen Eröffnung in der neuen Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld ein. (alle Bilder: NRD)
Werkstatträtin Birgit Sponagel hielt ebenfalls eine kurze Rede, die mit viel Beifall quittiert wurde.
Werkstatträtin Birgit Sponagel hielt ebenfalls eine kurze Rede, die mit viel Beifall quittiert wurde.

Die neue Gärtnerei ist ein besonderer Ort, an dem Menschen mit Unterstützungsbedarf nahezu perfekte Arbeitsbedingungen vorfinden, findet Björn Bätz. Dieser Ort zeige, was eine Werkstatt leisten könne: „Das muss die künftige Messlatte für die neue Teilhabe am Arbeitsleben sein!“, forderte er. Die Beschäftigten finden hier neben einer sinnstiftenden Arbeit und der Wertschätzung, die sie vor allem durch die Kund*innen erfahren, auch einen geschützten Raum, in den sie sich zurückziehen können.

„Hier wächst etwas Großartiges heran“

Auch Darmstadts Bürgermeisterin Barbara Akdeniz bezeichnete die neue Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld als einen „wunderbaren Ort“: „Hier wächst etwas Großartiges heran – nicht nur Pflanzen, auch Gespräche und Begegnungen. Die Menschen mit Beeinträchtigung können sich hier sehr gut entwickeln – und das im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, die vorsieht, gute Zugänge zur Arbeit zu ermöglichen“, sagte sie in ihrer Rede. „Die Menschen hier haben einen verantwortungsvollen Job. So stelle ich mir das als Sozialdezernentin vor, so kann Inklusion gelingen.“ Die Gärtnerei sei ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen der SHO und der NRD, die vor vielen Jahren ihren Anfang genommen hat. Gleichzeitig forderte Akdeniz alle Menschen auf, die neue Gärtnerei auch als Kund*innen zu unterstützen: „Kommen Sie und nutzen Sie das Angebot hier!“

Gabriele Beckers, Vorstandsmitglied der SHO, freute sich, die Gärtnerei in einem besonderen Jahr eröffnen zu können: Das Hofgut feiert 2026 sein 20-jähriges Bestehen. Auch die Zusammenarbeit mit der NRD würdigte sie und sieht sie auf einem sehr guten Weg – „mit noch viel Potenzial“.

Symbolisch wurde ein Baum eingepflanzt: v.l.: Barbara Akdeniz, Anselm Kubicek, Gabriele Beckers, Janne Böckenhauer, Christian Fuhrmann, Björn Bätz, und Beschäftigte der Rheinhessen-Werkstatt in Wörrstadt
Symbolisch wurde ein Baum eingepflanzt: v.l.: Barbara Akdeniz, Anselm Kubicek, Gabriele Beckers, Janne Böckenhauer, Christian Fuhrmann, Björn Bätz, und Beschäftigte der Rheinhessen-Werkstatt in Wörrstadt
Es war jede Menge los am Eröffnungstag. Die Gäste bestaunten das, was auf rund 4.000 Quadratmetern entstanden ist - und es gab viel zu sehen!
Es war jede Menge los am Eröffnungstag. Die Gäste bestaunten das, was auf rund 4.000 Quadratmetern entstanden ist - und es gab viel zu sehen!

Wirtschaftsunternehmen mit hoher Qualität

Die Gärtnerei, deren Aufbau sowohl durch Zuwendungen des LWV als auch durch großzügige Spenden von Unternehmen und Privatpersonen ermöglicht wurde, will künftig jedoch nicht nur ein guter Arbeitsplatz für Menschen mit Unterstützungsbedarf sein. „Wir wollen Kunden erreichen, neue Produkte entwickeln und Qualität bieten“, erklärte Bätz.

Alle Pflanzen baut das Gärtnerei-Team bereits seit längerem nach den Richtlinien des Bio-Zertifikats an. „In Umstellung“ nennt man das. Auch die geplante Demeter-Zertifizierung im Anschluss an die Bio-Zertifizierung passt zu den Werten des Hofguts Oberfeld. Zierpflanzen nach Demeter-Vorgaben zu produzieren, ist durchaus eine Seltenheit, wie Gärtner und Teamleiter Anselm Kubicek bestätigt: „Ich kenne in Deutschland keine andere Gärtnerei, die ihre Zimmerpflanzen nach Demeter-Vorgaben produziert. Denn das Prozedere dabei ist nicht ganz einfach, wir investieren hier viel Zeit und Geld. Das schlägt sich dann eben auch im Preis wieder. Das Schöne: Wir können es unseren Kund*innen sehr gut erklären, kommen dabei gut ins Gespräch. Meiner Erfahrung nach sind sie dann auch immer bereit, etwas mehr für das Produkt auszugeben.“

Es gab auch Zeit zum Reden und Kennenlernen...
Es gab auch Zeit zum Reden und Kennenlernen...
Teamleiter Anselm Kubicek (re.) bekam von Gabriele Beckers, Vorstand Stiftung Hofgut Oberfeld, zur Eröffnung ein Präsent überreicht.
Teamleiter Anselm Kubicek (re.) bekam von Gabriele Beckers, Vorstand Stiftung Hofgut Oberfeld, zur Eröffnung ein Präsent überreicht.

So produziert die Gärtnerei der NRD:

Das Substrat, also die Erde für die Zierpflanzen, mischen die Experten der Gärtnerei selbst. Der darin enthaltene Bio-Substrat-Dünger wirkt sechs bis acht Wochen. Danach wird mit flüssigem, Demeter-zertifiziertem Dünger gearbeitet, der eigentlich für Gemüse erfunden wurde. Deswegen galt es zunächst, die richtige Dosierung für die Zierpflanzen herauszufinden. Dieser Dünger ist für den Anbau großer Flächen gemacht und riecht so stark, dass mit Gasmaske und Körper-Vollschutz gedüngt werden muss – deshalb erfolgt diese Prozedur alle zwei Wochen erst nach der Schließung samstagabends.

Eine weitere Besonderheit ist das Vorgehen beim Pflanzenschutz. Agiert eine konventionelle Gärtnerei mit handelsüblichen Produkten (bei vergleichbarer Fläche) und gibt dafür rund 200 Euro pro Jahr aus, arbeitet das NRD-Gärtnerei-Team hier mit sogenannten Nützlingen. Für jeden Schädling gibt es einen Nützling, beispielsweise Marienkäfer, Schlupfwespen oder Raubmilben. Beispiel: Gibt es Wollläuse, kommen Marienkäfer zum Einsatz, die die Wollläuse auffressen. Sind alle Schädlinge weg, sterben oder flüchten auch die Nützlinge – ein ganz normaler Vorgang. Nach kurzer Zeit sind die Wollläuse dann wieder da, sodass es ungefähr alle zwei Wochen Nützlinge braucht. Ein Vorgehen, das laut Anselm Kubicek sehr gut funktioniert, das aber auch eben sehr viel Geld kostet: zwischen acht und zehntausend Euro pro Jahr!

Diese beiden Beispiele zeigen, warum sich eine Zierpflanze in der inklusiven NRD-Gärtnerei auf dem Hofgut Oberfeld von der breiten Ware abhebt.

Auch alle anderen Pflanzen, Gewächse, Stauden und Hölzer haben ein Nachhaltigkeitsmerkmal. So stammen beispielsweise die Orchideen von einem kleinen Familienbetrieb aus Deutschland. So unterstützt die NRD aktiv den Erhalt eines mittelständischen Betriebes. Die angebotenen Stauden für den Garten ist Ware, die eigentlich vernichtet werden würde. Hier greift eine individuelle Vereinbarung mit einem Großmarkt, den das Gärtnerei-Team ausgehandelt hat: Stauden, die binnen einer bestimmten Zeit in jenem Großmarkt nicht abverkauft wurden, landen normalerweise im Schredder, da eine Rückführung zu der Gärtnerei, von der die Stauden kommen, sich oft nicht lohnt. Diese Restbestände kauft die inklusive Gärtnerei der NRD dann auf – und zwar zum normalen Preis. Würde der Großmarkt Restware zu einem günstigeren Preis anbieten, würde er sich das Geschäft selbst kaputt machen, da dann die Kunden immer bis dahin warten würden. Auch hier tut die NRD Gutes, indem sie die Pflanzen vor ihrer Vernichtung rettet.

Eine Ecke des gemütlichen und ansprechenden Verkaufsraumes der Gärtnerei.
Eine Ecke des gemütlichen und ansprechenden Verkaufsraumes der Gärtnerei.
Die drei Gewächshäuser stehen den Kund*innen jederzeit offen.
Die drei Gewächshäuser stehen den Kund*innen jederzeit offen.

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