Ohne Fachkräfte keine Teilhabe – auch in Hessen

22.04.2026

Ohne Fachkräfte keine Teilhabe – auch in Hessen

Fachkräfte sind für die soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen unverzichtbar. „Fachkräfte ermöglichen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, Teilhabe am alltäglichen Leben, Wohnen und Arbeitsleben.

Damit setzen sie die UN-Behindertenrechtskonvention konkret um. Fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, geraten Angebote in der Eingliederungshilfe unter Druck und die Teilhabechancen der Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sind gefährdet“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche #OhneFachkräftekeineTeilhabe (20. bis 24. April 2026), an der sich auch die NRD beteiligt.

Fachkräftemangel ist auch ein hessisches Strukturproblem

Obwohl der Bedarf wächst, sinkt in Hessen seit Jahren die Zahl der Studierenden in den Fachhochschulen für Heilerziehungspflege. „In Hessen ist der Fachkräftemangel auch strukturell bedingt. So sind die Zugangshürden zur Ausbildung zur Sozialassistenz oder in der Heilerziehungspflege hier höher als in anderen Bundesländern. Gleichzeitig verschärfen langwierige Anerkennungsverfahren ausländischer Ausbildungen die Lage“, kritisiert Carsten Tag. Für Quereinsteigende in der Heilerziehungspflege etwa sind in Hessen mehr Jahre einschlägige Berufserfahrung nötig als in anderen Bundesländern. Der Vorstandsvorsitzende fordert: „Die Hürden zum Einstieg in einen Beruf in der Eingliederungshilfe müssen schnell und unbürokratisch gesenkt werden. Nur so können wir dem dramatischen Fachkräftemangel begegnen und die Qualität der Leistungserbringung sichern. Ansonsten geht der Mangel an qualifiziertem Personal zulasten der Teilhabe.“ Ein wichtiges Element zur Fachkräftesicherung und damit zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen kann die Einführung eines weiteren Ausbildungsstrangs sein, der auch Realschüler*innen den Berufseinstieg ermöglicht.

Reformen kommen zu langsam

Besonders kritisch sieht die Diakonie Hessen, dass die Überarbeitung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Fachschulen im Sozialwesen durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration weiter auf sich warten lässt. „Erleichterungen bei den Zugangsvoraussetzungen sind bislang nicht erkennbar“, sagt Sandra Möller, Referentin für soziale Teilhabe bei der Diakonie Hessen. „An internationale Auszubildende werden in Hessen viel höhere Anforderungen gestellt. So müssen diese bereits nach dem ersten Ausbildungsjahr ein C1-Sprachniveau nachweisen. In fast allen anderen Bundesländern wird dieses Niveau erst zum Abschluss gefordert. Anerkennungsverfahren für bereits bestehende Abschlüsse von Fachkräften und deren Berufserfahrung dauern länger. Das schreckt viele ab.“

Fachkräftemangel auch auf Landesebene angehen

„Teilhabe ist ein Grundrecht“, sagt Carsten Tag. „Wenn die Politik nicht handelt, drohen Leistungseinschränkungen – und das trifft mal wieder die Schwächsten. Nun ist es am Land Hessen so schnell wie möglich die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die in ihrer Macht liegen und in vielen anderen Bundesländern schon getätigt wurden. Die im Sommer beginnende landesweite Werbe- und Imagekampagne für die Eingliederungshilfe ist ein erster und wichtiger Schritt, dem weitere so schnell wie möglich folgen müssen. Wir fordern daher dazu auf: Schauen Sie über die Landesgrenzen hinweg und werden Sie aktiv. Sonst ist Hessen bald abgehängt und das Bundesland, in dem Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen der Zugang zum gesellschaftlichen Leben erschwert wird. Denn: Ohne Fachkräfte keine Teilhabe.“

Die Forderungen der Diakonie Hessen im Überblick

  • Anerkennung der Qualifikation der bestehenden Mitarbeitenden mit langjähriger Berufserfahrung
  • Ausweitung der Projekte „Pflege integriert“ bzw. „Wirtschaft integriert“ auf die Eingliederungshilfe
  • Absenkung der Anerkennungshürden für ausländisches Fachpersonal
  • C1-Sprachniveau für ausländische Azubis/Studierende erst zum Ausbildungsabschluss
  • Berufsbezeichnung im Einklang der Werte der UN-Behindertenrechtskonvention anpassen. Vorteile außerdem: Ansprache neuer Zielgruppen, positives Image, bessere berufliche Identifikation, stellt Arbeit in seiner Vielfalt und Fachlichkeit dar.
  • Absenkung der Zugangsvoraussetzungen für Quereinsteiger*innen: Realschulabschluss mit 1-2 Jahren einschlägige Berufserfahrung anstatt bisher 3 Jahren
  • Neue Berufsausbildung „Heilerziehungspflege-Helfer*in“ schaffen mit kürzerer Ausbildungsdauer und Voraussetzung erweiterter Hauptschulabschluss

Mehr Informationen auch unter: Hessen braucht HEPs! - Hessen braucht HEPs

Über die Aktionswoche #OhneFachkräfteKeineTeilhabe

Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung rufen gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege in Deutschland e.V. (BAG HEP) vom 20. bis 24. April 2026 zu einer bundesweiten Aktionswoche auf. Unter dem Motto #OhneFachkräfteKeineTeilhabe wird die unverzichtbare Rolle von Fachkräften in der Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrie in den Mittelpunkt gestellt. Zur Themenseite der Diakonie Hessen zur Aktionswoche #OhneFachkräftekeineTeilhabe

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