07.05.2026
Nach drei Jahren endet Ende April die Förderung des Peer-Beratungsprojekts der NRD durch Aktion Mensch. Bei einer kleinen, sehr persönlichen Feier blickten die Peer-Berater*innen gemeinsam mit zahlreichen Gästen auf diese intensive Zeit zurück.
Zwölf Kolleg*innen und vier Begleitpersonen wurden 2023 und 2024 ausgebildet. Acht von ihnen sind schließlich zu einem festen Beratungsteam zusammengewachsen. In den vergangenen drei Jahren führten sie 45 Beratungsgespräche, befragten 111 Werkstatt-Beschäftigte zu ihren Busfahrten und moderierten Gespräche mit Kommunalpolitiker*innen.
"Peers" (engl. für Gleichrangige / Ebenbürtige) sind Personen, die sich in ähnlichem Alter, sozialem Status oder Lebenssituation befinden. Dementsprechend ist eine Peer-Beratung eine Beratung von Betroffenen für Betroffene auf Augenhöhe. Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen, Einschränkungen oder psychischen Krisen unterstützen sich gegenseitig, basierend auf geteiltem Erfahrungswissen. Sie fördert Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und vermittelt praktische Strategien für den Alltag.
Für Projektleiterin Petra Grunewald war die Feier ein bewegender Moment – auch, weil der Weg dorthin kein leichter war. Die Ausbildung in Marburg forderte alle Beteiligten: viel Input, neue Themen, neue Kontakte. Anfangs traf sich das Team regelmäßig, übte, bereitete Termine vor. Schritt für Schritt wuchs es zusammen. Aus anfänglicher Unsicherheit entstand Selbstvertrauen, aus Einzelnen wurde ein Team. „Heute zu sehen, wie viel Freude ihnen diese Arbeit macht, ist einfach schön“, so Grunewald. Inzwischen sei eine verlässliche, arbeitsfähige Einheit entstanden.
Das zeigte sich auch bei der Feier: Mit spürbarem Stolz präsentierten die Peer-Berater*innen ihre selbst entwickelten Materialien und Methoden zur besseren Kommunikation und Konfliktlösung. Besonders eindrucksvoll waren das Eisberg- und das 4-Ohren-Modell, die in der Metallwerkstatt der NRD per 3D-Druck gefertigt wurden.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war das Tandem-Prinzip: Peer-Berater*innen arbeiteten eng mit Begleitpersonen zusammen. Doch mit der Zeit zogen sich diese zunehmend zurück. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen eigenständig beraten“, sagt Grunewald.
Peer-Beratungsteam macht weiter
Dass die Förderung endet, bedeutet keineswegs das Aus für das Projekt – im Gegenteil. Das Team ist entschlossen, weiterzumachen. Die Beratungen finden inzwischen regelmäßig statt, zusätzlich werden gezielt Termine in den Werkstätten angeboten. Denn oft, so die Erfahrung, melden sich Menschen mit Unterstützungsbedarf nicht von selbst. In den Werkstätten erreicht das Team viele Menschen aus verschiedenen Standorten – und die Angebote sprechen sich schneller herum. Auch neue Ideen sind bereits in Planung: Befragungen zur Zufriedenheit in den Wohneinheiten oder eine jährliche Wiederholung der Busfahrer*innen-Umfrage.
Die Abschlussfeier war ein würdiges Ende des ersten Abschnitts. Petra Grunewald betont: „Das Team hat sich riesig gefreut über die große Unterstützung.“ Und noch etwas ist klar: Das Peer-Beratungsteam der NRD geht seinen Weg weiter – motiviert, gewachsen und mit vielen neuen Plänen.
Bild ganz oben: Das Team Peer-Beratung: Birgit Sponagel, Verena Becker, Michael Sponagel, Nadja Mahovski, Deborah König, Bärbel Meuren, Schadrac Ntayingi, Petra Grunewald (v.l.)
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