Das ambulant Betreute Wohnen des Wohnverbundes Groß-Gerau will den Begriff Interessenvertretung neu interpretieren und geht einen anderen, erfrischenden Weg.
Im hessischen 10.000-Einwohner-Städtchen Gernsheim am Rhein, Kreis Groß- Gerau, wird die NRD bald an drei Standorten zu finden sein: Dort entstehen eine Tagesstätte, ein Haus für Menschen aus dem Autismus-Spektrum und ein „gemeinschaftliches Wohnen“.
Im Sommer sind sie eingezogen: 15 NRD-Klient*innen wohnen jetzt im neuen Wohnverbund in Oppenheim. Eine offizielle Eröffnungsfeier wie sonst üblich fiel aufgrund der Corona-Pandemie leider aus. Das Fundraising-Team der NRD hatte in der Weihnachtszeit 2020 um Spenden für den neuen Standort geworben – mit Erfolg: 649 Menschen halfen dabei, diesen Standort zu einem der modernsten der NRD zu machen.
Lange musste der Stammtisch des Betreuten Wohnens Groß-Gerau corona-bedingt ausfallen. Seit diesem Sommer kann sich die Gruppe endlich wieder treffen. Im August fand der Stammtisch zum ersten Mal im Garten des Stammtisch-Beauftragten Christian Ludwig statt, wo bei ausgelassener Stimmung geredet, gelacht und gemeinsam gegessen wurde.
Über 30 Menschen werden inzwischen in der Stadt und im Kreis Offenbach in besonderen Wohnformen begleitet. Einige von ihnen haben den Wunsch, selbstständiger zu werden. Für sie und andere Personen mit Unterstützungsbedarf, die noch zuhause in ihren Familien leben, ist jetzt das neue Angebot des Betreuten Wohnens (BW) eine Option, das Melanie Lahme seit Mai aufbaut.
Seit 28 Jahren gibt es das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens (BW) in der NRD. Zwischen Friedrichsdorf im Norden, Lampertheim im Süden, Wallertheim im Westen und Michelstadt im Osten des NRD-Verbreitungsgebietes nutzen knapp 340 Menschen die Möglichkeit, eigenständig oder in ihrer Familie zu wohnen und Assistenz- oder Unterstützungsangebote der NRD in Anspruch zu nehmen. Seit April 2018 gibt es auch ein BW-Büro in Darmstadt. Unsere Redakteurin Marlene Broeckers machte einen Besuch in der Riedstraße 2 und sprach mit Teamleiter Volker Benericetti.
„Wohnst du noch oder lebst du schon?“ – dieses bekannte Motto eines großen schwedischen Möbelhauses würde, etwas überspitzt gesagt, auch zu den Forderungen passen, die die UN-Behindertenrechtskonvention (UN BRK) vor zehn Jahren für Menschen mit Beeinträchtigung formuliert hat. Aktuell ist die Eingliederungshilfe mit der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) beschäftigt, das den Anforderungen aus der UN-BRK eine rechtliche Ausgestaltung gibt. Ein wichtiger Bestandteil: Künftig wird es die bisherige Einteilung von Betreutem und Stationärem Wohnen nicht mehr geben.
Am 12. April 2019 wurde das neue Wohnhaus der NRD in Erbach-Erlenbach im Beisein der künftigen Bewohner*innen und Teammitarbeiter*innen und mit vielen Gästen eingeweiht, wenige Tage später startete der Einzug. Jetzt sind ein paar Wochen ins Land gezogen. Wie läuft es in der Bullauer Straße?
„Wir freuen uns, dass es endlich losgeht“. Mit diesen Worten überreichen Kerstin Frezza und Renate und Udo Hemme-Unger dem neuen Team der NRD in Babenhausen einen Brotlaib und eine Schale Salz. Nach einer alten, in vielen Ländern bekannten Tradition wünscht man damit beim Einzug Glück und Wohlstand. Die drei Nachbarn wohnen im Haus nebenan, das zum „AltstadtQuartier“ in der Fahrstraße gehört. Errichtet hat das Ganze die Firmengruppe May, von der die NRD das Wohnhaus für 17 Personen schlüsselfertig übernommen hat.
Im Mai wird Willi Klein seinen 69. Geburtstag feiern, und zwar in Offenbach. Dorthin ist er Mitte März umgezogen. 1976 kam der gebürtige Darmstädter in die NRD, seitdem ist er viermal umgezogen. „Es mal wieder so weit, der Willi braucht Tapetenwechsel“, meint sein BruderKlaus-Dieter Klein, der zugleich sein gesetzlicher Betreuer ist. „Na ja, es sind ja auch schon über zehn Jahre“. Kurz vor dem Umzug sprach Marlene Broeckers in seinem Apartment im Wohnverbund Mörfelden mit Willi Klein.
Wohnungen sind Mangelware. Kleine Wohnungen, wie sie von der zunehmenden Zahl der Singles in unserer Gesellschaft gesucht werden, erst recht. Und noch schwieriger wird es, wenn diese Singles von Grundsicherung leben müssen wie die Klient*innen im Betreuten Wohnen der NRD. Deshalb ist das Haus in der Bertha-von-Suttner-Straße 4 in Groß-Zimmern ein Glücksfall. Hier sind vor einem halben Jahr sechs Frauen in sechs Einzel-Apartments eingezogen. Und die NRD als Vermieter hat die Hausbesatzung inklusiv gestaltet.
Wie geht es weiter, wenn wir nicht mehr können? Diese Frage beschäftigt viele Eltern, die ein Kind mit Behinderung haben, insbesondere dann, wenn das Kind auch im Erwachsenenalter noch im Elternhaus lebt. Brigitte und Herbert Gilbert, beide Anfang 60, haben für ihre Tochter Pia, 31, eine Lösung gefunden, die heute noch sehr ungewöhnlich ist: Die Eltern werden aus ihrem Haus in Nauheim ausziehen, vier Menschen mit Behinderung werden einziehen und mit Pia eine Hausgemeinschaft bilden. Die Unterstützung der 5er-WG übernimmt die NRD.
Ende 2016 wurde das Bundesteilhabegesetz (BTHG) verabschiedet. Es soll Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglichen. Die Unterstützung, die Menschen dazu brauchen, soll so individuell wie möglich sein. Es soll in Zukunft nicht mehr unterschieden werden zwischen „Stationärem“ und „Ambulant betreutem“ Wohnen, denn in beiden Wohnformen ist bedarfsgerechte Unterstützung möglich. Zwei Wohnbereiche der NRD haben bereits mit der Umwandlung begonnen, einer davon ist die Wohngruppe Pulvermühle 1 in Mühltal. Was hat sich da verändert? Wir haben bei Teamleiter Peter Fries nachgefragt.
Seit drei Monaten leben Alice Koch und Rita Ickes in einer „richtigen Wohnung“. Nochmal ganz anders als in Pfungstadt, wo die beiden Freundinnen im Haus Wormser Straße 3 einen abgetrennten Bereich für sich hatten. Jetzt, in Groß-Zimmern aber, in dem L-förmigen Neubau in der Ketteler Straße, mit richtiger Wohnungstür und eigener Klingel, fühlt sich das ganz anders an. „Hier gefällt es uns, hier wollen wir bleiben“, sagen beide.
Angelika Haser, Alter 49 Jahre, wohnt seit 1990 in einer der „Außenwohngruppen“ des früheren „Verein für Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung e.V.“, der seit 2014 zur NRD gehört. Das Besondere an den Außenwohngruppen: Sie befinden sich nicht Auf der Leer, wo die anderen stationären Wohnplätze angesiedelt waren, sondern mitten in der Stadt.
Gabriel Römer, 29, ist einer von geschätzten 50.000 Menschen mit Down Syndrom in Deutschland. Lange Zeit wohnte er bei der NRD in Mühltal – vor kurzem ist er umgezogen und lebt nun wieder in seiner alten Heimatstadt Groß-Gerau. Wir haben ihn besucht, um aus erster Hand zu erfahren, wie sich die Regionalisierung der NRD auf sein Leben auswirkt.
25 Jahre lang gibt es bereits das betreute Wohnen in der NRD. Ulrike Lüttge und Thomas Hötzel blicken zurück auf die Anfänge, das Umdenken und was daraus geworden ist.
Seit gut drei Jahren besteht das Wohnangebot der NRD in Lampertheim. Im Oktober 2014 zogen die ersten Bewohner ein. Alles war neu: die Wohnhäuser; die Bewohner, das Team. Lampertheim ist ein bemerkenswertes Projekt.
Wollen Sie im Lauf von 20 Jahren mit hundert oder mehr Menschen zu tun haben, die Ihnen sagen, was Sie dürfen und was nicht? Wollen Sie als erwachsener Mensch Vorschriften darüber gemacht bekommen, wie ordentlich Ihr Schlafzimmer aussehen soll, wann und wieviel Sie essen dürfen? Wollen Sie im Alter von über 30 Jahren lernen, dass Sie beim Duschen drei verschiedene Waschlappen benutzen müssen, um Ihren Körper „richtig“ zu reinigen? Wenn Sie in einem Heim lebten, wäre all das normal.
Schon beim Übergang der „Behindertenhilfe Dieburg e.V.“ an die NRD vor zwei Jahren war es klar, dass umfangreiche Veränderungen im Wohnbereich anstanden. Die Wohnhäuser Auf der Leer, in denen momentan 32 Menschen leben, genügten den Brandschutzbestimmungen nicht mehr und nur durch zusätzlichen Personaleinsatz konnte die sofortige Schließung aufgeschoben werden. Inzwischen sind umfassende Veränderungen im Gang: Der Wohnverbund Dieburg entsteht ganz neu.
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