Neues Wohnangebot: Erste Schritte in Erbach-Erlenbach

21.08.2019 | Andreas Nink

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Andreas Nink

Leiter der Abteilung Kommunikation und Fundraising der NRD

Neues Wohnangebot: Erste Schritte in Erbach-Erlenbach

Am 12. April 2019  wurde das neue Wohnhaus der NRD in Erbach-Erlenbach im Beisein der künftigen Bewohner*innen und Teammitarbeiter*innen und mit vielen Gästen eingeweiht, wenige Tage später startete der Einzug. Jetzt sind ein paar Wochen ins Land gezogen. Wie läuft es in der Bullauer Straße?

Wohnverbundleiterin Sandra Pache stellt mit Freude fest, dass alle gut angekommen sind. „Die Bewohner nutzen die neuen Freiheiten, die ihnen ihre Wohnungen bieten, bereits sehr gut“, sagt sie. „Morgens und abends halten sie sich vorzugsweise in den eigenen Räumen auf und werden dort vom Team unter-stützt. Am Wochenende wird meist mittags oder abends in der Bauernküche zusammen gekocht und gegessen.“

Das unterscheidet sich vom Alltag in der früheren Wohngruppe. Auf dem Gelände eines ehemaligen Krankenhauses in der Straße Am Brühl in Erbach hat die NRD vor zwölf Jahren einen Neu-bau für 48 Menschen mit Behinderung in Betrieb genommen. Von dort aus startete jetzt der Umzug nach Erlenbach. In der vorherigen Gruppe lebten auch Menschen mit besonderem Pflegebedarf. Die Betreuer*innen waren am Wochenende bis in den Vormittag hinein mit der Pflege beansprucht, so dass die Gruppe erst gegen zehn Uhr zum gemeinsamen Brunch zusammenkam.

In den Erbacher Vorort Erlenbach sind Personen mit herausforderndem oder sogenanntem kreativen Verhalten gezogen. Sie alle haben einen besonderen pädagogischen Unterstützungsbedarf, sind aber körperlich fit. Derzeit wohnen dort zwölf Männer und Frauen im Alter zwischen 22 und 58 Jahren. Sie sind in der Woche tagsüber in der Werkstatt der Integra in Höchst beschäftigt oder besuchen die NRD-eigene Tagesstätte im Gebäude-komplex Am Brühl in Erbach.

Alfred A.* wird tagsüber aufsuchend von den Kolleg*innen der Tagesstätte betreut. Der junge Mann ist Autist. Auch er nimmt seine neue Wohnsituation in einem Einzimmerapartment vom ersten Tag an sehr gut an. Anfangs war an seiner Tür ein akustisches Signal geschaltet, mit dem das Team via Handy informiert wurde, dass er sein Apartment verlässt. Er bewegt sich so sicher auf dem Gelände, dass das Signal jetzt nicht mehr notwendig ist.

Auch in Erlenbach wird nach dem Konzept der aufsuchenden Betreuung gearbeitet. „Unsere Bewohner sind überwiegend Einzelgänger und weniger aufeinander, sondern auf die Mitarbeiter fixiert. In der alten Gruppensituation beanspruchten sie alle gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Betreuer“, erklärt Teamleiter Jochen Holschuh. „Jetzt sucht die Betreuung die Bewohner in ihren Wohnungen auf und kann sich intensiver mit ein oder zwei Bewohnern beschäftigen.“ Einige Klient*innen sind komplett selbständig und bewältigen das morgendliche Waschen, Anziehen und Frühstücken alleine. Der Frühdienst kann sich dadurch auf diejenigen Bewohner konzentrieren, die Unterstützung benötigen. „Wir haben auch Leute, die andere aktiv motivieren, sich alleine für den Tag fertigzumachen“, sagt Jochen Holschuh.

Sandra Pache nennt ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell sich die Bewohner*innen in der neuen Umgebung weiterentwickeln: „In unserer 3er-Wohngemeinschaft wohnt Bernhard B.* zur Zeit noch alleine. Er ist ebenfalls Autist und sucht meist nur den Kontakt zu den Betreuern. Claus C.* aus seiner alten Wohn-gruppe hat ihn jetzt zum Kaffee in sein Apartment eingeladen und Bernhard B. hat die Einladung angenommen. Am Brühl sind sich beide in der Regel aus dem Weg gegangen.“

Die naturnahe Lage des ehemaligen Erlenhofs tut den neuen Bewohner*innen gut. Sie ist ein guter Rückzugsort, an dem sie sich ungestört entfalten können. Im Haus Am Brühl gelangte man von den Wohngruppen zunächst ins Treppenhaus und dort nur über das obere Stockwerk in den Innenhof. In den neuen Häusern hat jede Wohnung einen direkten Zugang nach draußen. Dadurch gehen die Bewohner*innen viel mehr raus aus den Wohnungen auf das Grundstück und erkunden ihre neue Umgebung auf dem großen Gelände.

Die vom Hof aus für alle Bewohner*innen erreichbare Bauern-küche ist ein wichtiger Gemeinschaftsort geworden. Am Wochenende wird hier gemeinsam gekocht und gegessen.

Das Team der Betreuer*innen unter der Leitung von Jochen Holschuh arbeitet im 3-Schichten-System. Rund um die Uhr ist jemand vom Team anwesend. Nachts ist nicht nur ein Bereitschaftsdienst organisiert, sondern eine Nachtwache, die nach dem Rechten schaut und dabei nachts auch die Wohnungen aufsucht.

Zwei Vollzeitstellen sind noch nicht besetzt, ein Kollege wird sich demnächst in Elternzeit verabschieden. „Zwei ganze Stellen, das sind faktisch vier Personen, die uns fehlen“, sagt Holschuh. Aber die Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen läuft auf Hochtouren. Sandra Pache ist optimistisch, die Stellen nach und nach besetzen zu können.

In Erlenbach sind auch noch fünf Wohnplätze frei. Ein 2er-Apartment steht noch leer, im 3er-Apartment sind zwei Zimmer frei. Mit ein paar Interessenten und deren Angehörigen finden gerade Gespräche statt. Erfreulich ist, dass angesichts des Bedarfs an unterstütztem Wohnen auch Neuaufnahmen möglich sind.

Am Haus am Brühl starteten nach dem Auszug Renovierungsarbeiten. Deren Ziel ist es, aus den 12er-Wohngruppen, die es in jedem Stockwerk gibt, kleinteiligere Wohnangebote zu machen, die dem neuesten Stand der Bauplanung in der NRD entsprechen. Erbach gehört zu den drei ersten regionalisierten Wohnangeboten der NRD. Dass die NRD ein Haus, das erst ein Dutzend Jahre in Betrieb ist, umbaut und konzeptionell verändert, zeigt, wie schnell sich die Eingliederungshilfe weiterentwickelt. Und die NRD mit ihr.

*Die Namen wurden von der Redaktion abgeändert.

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