Fleißige Mitarbeiterin und treue Freundin: ein Leben in der NRD

24.09.2018 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

Fleißige Mitarbeiterin und treue Freundin: ein Leben in der NRD

Ihre besten Freunde, Thomas und Elvira Hötzel, waren schon öfter „in der Zeitung“. Diesen Wunsch hatte auch Brigitte Onufrak, und in diesem Jahr gibt es auch den passenden Anlass dazu: Sie feierte Anfang Sepember ein rundes Dienstjubiläum, denn seit 30 Jahren ist sie im Reinigungsservice und in der Hauswirtschaft der NRD tätig. Wenn das kein Grund ist, um in die Zeitung zu kommen!

Dabei gibt es sogar schon ein Buch, an dem Brigitte Onufrak mitgearbeitet hat, in dem sie aus ihrem Leben erzählte. Für „Aussortiert“ in „Leben außerhalb der Gesellschaft“, das 2014 erschien und die Geschichte der früheren „Nieder-Ramstädter Heime“ nach 1945 erzählt, hat Brigitte Onufrak ihre Erinnerungen preisgegeben. Und diese waren nicht unbedingt schön.

Mit drei Jahren wurde die heute 53-Jährige 1968 in die Heime aufgenommen. Ihre Kindheit verbrachte sie im Haus Eben-Ezer, wo auch die Kleinen oft hart bestraft wurden, wenn sie „nicht brav“ waren. Auch Brigitte gehörte zu den Kindern, die manchmal im Keller eingesperrt wurden. Deshalb machen ihr verschlossene Türen bis heute Angst. 

Und das Erstaunliche ist: Seit 30 Jahren arbeitet Brigitte Onufrak ausgerechnet im Keller des Kinder- und Jugendhauses Eben-Ezer. Das Wäschezimmer in dem sie tätig ist, liegt direkt gegenüber ihrem früheren nächtlichen Gefängnis. Sie hat sich mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt und mittlerweile dort auch viel Schönes erlebt. Deswegen möchte sie diesen Arbeitsplatz gern behalten.

Seit fast 25 Jahren lebt Brigitte Onufrak im Betreuten Wohnen und organisiert ihr Leben sehr selbstständig. Nach der Schulzeit nahm sie teil an einem Förderprogramm des Internationalen Bundes und lernte dort Hauswirtschaft. So kam die damalige Hauswirtschafts-Leiterin Anni Rose-Gauls auf den Gedanken, Brigitte Onufrak im Wäschezimmer zu beschäftigen. Von jeher war sie also außerhalb der Werkstatt tätig, und seit zweieinhalb Jahren hat sie ein eigenständiges Arbeitsverhältnis als Hauswirtschaftskraft im Kinder- und Jugendbereich. An ihrer Tätigkeit hat sich dadurch nichts geändert, wohl aber am Lohn und an ihrem Selbstbewusstsein. „Ich bin immer pünktlich und zuverlässig. Und ich bin fleißig“, sagt sie. Das kann ihre Vorgesetzte Christiane Busch, Leiterin des Kinder- und Jugendbereichs, nur bestätigen. „Wenn Brigitte mal krank ist, meldet sie sich ab. Wenn sie nur auf die Mailbox sprechen konnte, ruft sie später nochmals an, um sicherzugehen, dass ihre Nachricht angekommen ist“.

Seit zehn Jahren bekommt Brigitte Onufrak Erwerbsunfähigkeitsrente, was aber nicht bedeutet, dass sie die Hände in den Schoß legen möchte. Christiane Busch hat für sie ausgerechnet, wie viele Arbeitsstunden sie leisten und wie viel Geld sie hinzuverdienen kann, ohne dass sie Rentenabzüge hinnehmen muss. Heraus kam eine 20-Prozent-Stelle, und diese füllt Brigitte Onufrak zu aller Zufriedenheit aus.

Sie kümmert sich um die Wäsche der Wohngruppen 3 und 4, und sie patcht die persönliche Wäsche aller jungen Menschen, die dort wohnen. Patchen, so heißt der Fachausdruck für das Kennzeichnen von Wäsche mit Namensschildern. „Man schneidet das Schild aus und legt es auf das Wäschestück. Dann legt man beides in die Patch-Maschine, drückt drei Minuten runter und dann ist das Schild fest.“

Brigitte Onufrak ist ein äußerst feinfühliger Mensch. Sie hat sich keinen festen Panzer zugelegt, obwohl das Leben ihr manchen schweren Schlag versetzt hat. Ihr langjähriger Freund, mit dem sie auch zusammen wohnte, starb ganz unerwartet 2007. Und ihre geliebte Hündin Asta, die sie 2008 von Bekannten übernommen hatte, ist 2016 gestorben. Um beide trauert sie noch sehr. Doch sie ist dabei, einen neuen Hund aus dem Tierheim zu sich zu holen.

Aber sie kann sich auch richtig freuen, zum Beispiel über ihre lebenslange Freundschaft mit Thomas und Elvira Hötzel, die sie seit Kindertagen im Haus Eben-Ezer kennt. „Uns kann gar nichts trennen“, sagt Brigitte überzeugt. Die drei gehen oft zusammen einkaufen, sie kochen miteinander und wenn abends im Ort etwas los ist, schlagen die Hötzels bei Brigitte, die zentral in der Stiftstraße wohnt, ihr Nachtlager auf. Zum Dank laden sie die Freundin dann am nächsten Morgen zum Frühstücken ein – neuerdings ins Café Sfogliatella am Fliednerplatz, wo sie gern gesehene Gäste sind. 

Das Dienstjubiläum von Brigitte Onufrak wurde 1. September im Café Florian im Hauptsitz der NRD mit rund 30 Gästen gefeiert, darunter auch Beate und Gerd Kellermann, die vor Jahrzehnten die Vormundschaft für Brigitte übernommen haben. Diese nennt Brigitte Onufrak bis heute ihre Pflegeeltern: „Sie sind eigentlich meine Familie, und die Tochter Anne, die schon 30 ist, ist meine kleine Schwester“.

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