Mit allen Sinnen genießen - aus dem Leben einer "Tagesstättlerin"

01.07.2016 |  Gastautor

Autor

 Gastautor

Mit allen Sinnen genießen - aus dem Leben einer "Tagesstättlerin"

Hallo, ich bin Kinga Schneider, ich wohne im Wohnverbund Mörfelden und bin eine „Tagesstättlerin der ersten Stunde“. Dort ist es meine Aufgabe, mich bei der Erstellung von saisonalen Grußkarten kreativ auszutoben. Außerdem koche ich gemeinsam mit meinen Kollegen einmal in der Woche unser Mittagessen. Zweimal wöchentlich besucht mich hier meine Physiotherapeutin und biegt mich zurecht. So oft ich kann, greife ich in meine „Sinnesbox“ und möchte hier erzählen, was ich darin alles finde:

Ich esse und trinke gern (auch wenn ich nicht so aussehe). Beim Essen liebe ich die Abwechslung: mal süß, mal herzhaft. Für Chips, Flips, Salzgebäck, Zwieback, Feinkostsalate, Milchschnitte, Kinder-Pingui, Milchmäuse oder ähnliches bin ich eigentlich immer zu haben. Ich bin auch sehr experimentierfreudig und probiere schon mal Camembert mit Marmelade aus. Habe ich Appetit, esse ich langsam, aber stetig. Geht es zu schnell, mache ich den Mund nur zögerlich auf. Bin ich satt, bleibt mein Mund zu oder ich lasse zerkautes Essen aus dem Mund laufen ...

Am liebsten trinke ich alkoholische Getränke, allem voran Sekt! (Schließlich stamme ich aus einer Winzerfamilie ...) Aber auch Bananenmilch, Kakao und alkoholfreie Cocktails verschmähe ich nicht.

Da ich in meinem Rollstuhl oft nicht lange sitzen kann und in meiner Sitzposition eingeschränkt bin, habe ich meist die ein oder andere Druckstelle am Rücken. Ich genieße es sehr, wenn diese mit Öl sanft bis kräftig wegmassiert werden. Generell sind Öl-Massagen toll!!! Fuss-Sprudelbäder sind auch sehr entspannend und amüsant.

Ich werde manchmal auch gerne gekitzelt, z.B. mit dem Feder-Staubwedel am Bauch oder mit dem Kopfmassage-Gerät. Überhaupt lache und schmunzele ich gerne und verstehe witzige bis ironische Bemerkungen.

Ich mag es – ganz Frau – mich hübsch zu machen, z. B. indem ich die Fingernägel lackiert bekomme. Die Farbe lass aber bitte mich aussuchen!! Ab und zu mal Gel in die Haare ist auch nicht schlecht.

Meine Musik mag ich fetzig und laut. Wenn ich sehr unruhig bin, helfen mir Cat Stevens und Entspannungsmusik. Will ich lieber „abrocken“, mag ich es, wenn mein Rollstuhl ganz schnell um die eigene Achse gedreht wird. Huuuiii!! Keine Angst, so schnell wird mir nicht übel! Genauso spaßig finde ich es, wenn ich auf dem Wasserbett liege und es der Mitarbeiter zum Wogen bringt (wie die Sturmwellen im Meer)  ... je doller, desto besser.

 Wenn Du mich also mal triffst und nicht weißt, wie wir in Kontakt kommen können, greif beherzt in meine Box, der Rest kommt dann von ganz alleine.

Ich freu mich drauf!


Text Annika Barth und Kinga Schneider
Foto Archiv WV Mörfelden

10 Jahre WV Mörfelden

In diesem Jahr feiert der NRD-Wohnverbund Mörfelden sein 10-jähriges Bestehen, ebenso wie die Wohnverbünde Groß-Bieberau und Wallertheim. Anläßlich des Jubiläums erstellten die Bewohner und Bewohnerinnen in Mörfelden eine Jubiläumszeitschrift mit dem Titel "ZEHN - 10 Jahre - Vielfalt - auf Ihr Wohl". Der Bericht von Kinga Schneider ist diesem Heft entnommen.

 

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar zu dieser Seite

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Jetzt Spenden

Menschen mit Behinderung brauchen Ihre Hilfe!

 
  • Inklusion ...

    .... bedeutet Menschenrecht. Für den Bedarf von Menschen mit Lernschwierigkeiten heißt das zum Beispiel: Das Recht auf gut verständliche Sprache, Informationen und Texte im Sinne von "leichter Sprache". 

    Inklusion ...
    André Schade,
    Übersetzer für leichte Sprache, Zentrum für selbstbestimmtes Leben (ZsL), Mainz
Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie

© Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie
Bodelschwinghweg 5  -  64367 Mühltal  -  Tel.: (06151) 149-0  -  Fax: (06151) 144117  -  E-Mail: info@nrd.de

Folgen Sie uns auf dem NRD-Blog