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„Schweige und höre“ – Stiller Tag in der Passionszeit

13.04.2022 | Philine Steeb

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Philine Steeb

Philine Steeb ist Online-Managerin der NRD

„Schweige und höre“ – Stiller Tag in der Passionszeit

Einen ganzen Tag schweigend zu verbringen, das konnte sich unsere Online-Redakteurin Philine Steeb nur schwer vorstellen. Gemeinsam mit anderen Kolleg*innen hat sie einen „Stillen Tag in der Passionszeit“ besucht und dabei gemerkt: Die Stille tut gut!

Schweigen auszuhalten oder gar zu genießen, fällt mir schwer. Ich bin ein gesprächiger Mensch, deshalb arbeite ich auch in der Kommunikationsabteilung. Einen großen Teil meines Arbeitstags verbringe ich damit zu telefonieren, an Meetings teilzunehmen und über die verschiedenen Online-Kanäle der NRD zu kommunizieren. Auch in meiner Freizeit brauche ich zumindest ein Hintergrundrauschen: Ich höre Podcasts beim Spazierengehen, schalte Musik an, wenn ich male, oder telefoniere beim Bad putzen. Umso neugieriger war ich deshalb auf den „Stillen Tag in der Passionszeit“, den Beate Braner-Möhl, Leiterin der Stabsstelle Diakonie, jedes Jahr anbietet.  

Mit acht weiteren Teilnehmer*innen geht es im schönen Kloster in Höchst erstmal mit einer Vorstellungsrunde los. Warum sind wir hier? Was beschäftigt uns? Wo wollen wir genauer hinspüren an diesem Tag? Danach beginnt das Schweigen. Mit Geschichten, Bildern und Gebeten nähern wir uns den Themen Schweigen, Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Bildhaft dafür gießt Beate Braner-Möhl einen Krug Wasser in eine Schale und erklärt, dass wir nur geben können, wenn unsere Schale voll ist und überläuft. Aus einer leeren Schale hingegen kann man kein Wasser schöpfen. Eine starke Metapher!

Im Anschluss lernen wir das Gehen neu. Gehen, das können wir zwar alle. Aber bewusst wahrzunehmen, wie wir das Gewicht verlagern, einen Fuß vor den anderen setzen, wie der ganze Körper mitarbeitet, das haben die meisten von uns noch nie so deutlich wahrgenommen. Danach brechen wir in den Wald auf, um den Vater Unser-Weg zu gehen. Inmitten der Kolleg*innen fällt es mir schwer, nicht zu sprechen. Aber ich bleibe still und versuche mich auf das Gehen und die Impulse an den einzelnen Vater Unser-Stationen zu konzentrieren.

Vor dem Mittagessen üben wir das achtsame Essen. Alle bekommen eine Rosine oder ein Gummibärchen. Zuerst befühlen wir es. Ist es glatt oder rau? Weich oder hart? Wie riecht es? Dann ertasten wir im Mund weiter die Oberfläche und die Form. Zum Schluss kauen wir langsam und nehmen ganz genau wahr, wie es schmeckt und welche die Konsistenz es hat. Beim anschließenden Mittagessen nehmen wir uns viel Zeit, essen bewusst und schmecken dadurch so viel mehr als bei einem normalen Mittagessen.

Sehr wohltuend geht es nach der Pause im Programm weiter: Alle suchen sich ein Psalmwort aus und sitzen in der Stille, über diese Worte nachdenkend. Es ist bereits das zweite Mal an diesem Tag, dass wir gemeinsam in der Stille sitzen.

Vor dem Abschluss geht es noch in den Klostergarten zum Labyrinth. Wir alle durchlaufen dieses Labyrinth, in dem Beate Braner-Möhl Karten aufgestellt hat: „Was will ich loslassen?“, „Wem vertraue ich?“, „Was möchte ich in mein Leben lassen?“ Es sind Fragen, die uns alle beschäftigen und wir können so lange an einer Frage verweilen, wie wir möchten.

Das Abschlussritual mit Blumen, Kerzen und Steinen.
Das Abschlussritual mit Blumen, Kerzen und Steinen.

Am Ende des Passionstags sitzen wir wieder im Kreis, das Schweigen wird gebrochen. Alle erzählen davon, wie gut ihnen der Tag getan hat: die Stille, das bewusste Essen und Gehen, nicht für andere da sein zu müssen, in sich gehen zu können. Der Tag endet mit einem Ritual: Jede*r hat vom morgendlichen Rundweg einen Stein mitgenommen. Diese legen wir in die Mitte als Symbol, dass wir Hindernisse mit Gottes Hilfe hinter uns lassen möchten. Wir entzünden Kerzen als Bitte, dass Gott etwas in uns entfachen möge. Jede*r nimmt sich eine Blume als Zeichen dafür, dass etwas Neues in uns entstehen möge.

Sehr erschöpft, aber mit einer inneren Ruhe, die ich schon lange nicht mehr in mir gespürt habe, trete ich die Heimreise an. Das Schweigen, es hat sich gelohnt. Ich werde versuchen, mit dem was ich am Passionstag gelernt habe, meine Schale immer gut zu füllen – damit sie überlaufen kann.

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