Selbstverständlich inklusiv: auf dem Weg zu einem neuen Leitbild für die NRD

08.03.2017 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

Selbstverständlich inklusiv: auf dem Weg zu einem neuen Leitbild für die NRD

Jeder Mensch stellt sich im Laufe seines Lebens Fragen nach dem Sinn. Was ist mir wichtig? Wofür stehe ich ein? Wozu bin ich da? Welchen Nutzen bringt das, was ich tue, für andere für mich? Es tut gut, Antworten darauf zu haben. Denn so kann man überprüfen, ob man (noch) auf dem richtigen Weg ist.

Die Fragen stellen sich nicht nur in Bezug auf das jeweils eigene Leben. Dort, wo Menschen zusammenkommen und zusammen arbeiten, prüfen sie ebenfalls, ob sie gemeinsam das Richtige tun. So auch in der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD). Die NRD ist als gemeinnützig anerkannt und erfüllt einen gesellschaftlichen Auftrag. Wo steht die NRD, wo will sie hin? Auf welchem gemeinsamen Weg sind die Menschen, die in ihr arbeiten? Ein neues Leitbild will die Wünsche, Ideen, Beschreibungen, die die Menschen in der NRD umtreiben, aufgreifen.

Es ist Zeit für ein neues Leitbild der NRD. Warum jetzt?

Blicken wir ein kleines Stück zurück. 1999 wurde der letzte Leitbild-Prozess der früheren Nieder-Ramstädter Heime abgeschlossen. Mit dem Leitbild wurde der neue Name Nieder-Ramstädter Diakonie bekannt gemacht, der eine programmatische Veränderung einleitete: Das Ende der „Heime“-Zeit wurde eingeläutet, neue Wohnformen wurden gewünscht, das Bedürfnis nach mehr Selbstbestimmung und nach Assistenz statt Bevormundung wurde laut.

KollegInnen, die am Leitbild von 1999 mitgearbeitet haben, sagen heute: „Das war ein spannender Prozess, etwas ganz Neues. Erstmals haben Mitarbeitende längs durch die Hierarchie und bereichsübergreifend miteinander in Arbeitsgruppen diskutiert. Und die Wünsche von Bewohnern und Beschäftigten wurden in den Mittelpunkt gestellt.“ Für die, die damals mitgearbeitet haben – von den rund 150 Beteiligten sind heute noch etwa 30 im Unternehmen – ist klar, dass die 2005 beschlossene Regionalisierung ein Ergebnis ihrer Arbeit am Leitbild war. Ein Ergebnis, das der Vorstand unterstützte und beförderte, auch wenn klar war, dass letztlich „kein Stein auf dem anderen bleiben würde“, wie ein Kollege es formulierte.

In der Tat ist in der relativ kurzen Zeit von 15 bis 20 Jahren eine ganz andere NRD entstanden. Der größte Teil der NRD befindet sich nicht mehr, wie 1997 noch, an den beiden Standorten Nieder-Ramstadt und Rheinhessen, sondern an rund 50 Standorten in 30 Städten und Gemeinden Süd- und Rheinhessens. Und es wird völlig anders gearbeitet als früher.

Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ein neues Leitbild zu entwerfen, das der Realität des Unternehmens angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung und den politischen Forderungen entspricht. Deshalb hat der Vorstand im vergangenen Jahr den Auftrag erteilt, das Leitbild der NRD zu aktualisieren und ein Projektteam benannt, das den Job übernimmt, möglichst viele zum Mitmachen zu bewegen.

Auftaktveranstaltung am 30.11.2016 in der Lazaruskirche
Auftaktveranstaltung am 30.11.2016 in der Lazaruskirche

Wir machen es gemeinsam

Wer mitmachen soll, sagt der Vorstand in seinem Arbeitsauftrag: Alle. Mitarbeitende der NRD und BewohnerInnen und Beschäftigte. Also letztlich um die 4000 Menschen. Wie soll das gehen? Wie lange soll das dauern, wenn alle zu Workshops eingeladen werden und miteinander diskutieren?

Sehr schnell war klar, dass wir NRD-gemäß und zeitgemäß arbeiten müssen, also regional, selbstbestimmt und auf unterschiedlichen Wegen der Kommunikation. Einschließlich Internet.

Am 30. November fiel der Startschuss für das neue Leitbild in der Lazaruskirche. Vorstand, Leitungs- und Führungskräfte sowie Mitglieder der Interessenvertretung Wohnen (IWo) und der Werkstatträte aus der gesamten NRD – insgesamt rund 100 Menschen - wurden beim in Mühltal informiert und eingestimmt auf das, was passieren wird. Alle Menschen mit und ohne Behinderung in der NRD sind ab sofort eingeladen, ihren Anteil zum neuen Leitbild beizusteuern, sei es schriftlich, kreativ gestaltend durch Malen, ein Musikstück oder ein Video.

Wie leben wir? Wie arbeiten wir? Was läuft gut? Was fehlt? Was ist in Zukunft wichtig? Was kann wegfallen? Fragen wie diese sollen in den nächsten Wochen und Monaten bis Ende Juni 2017 bedacht und beantwortet werden.

Blick von außen und innen

Wie ist die NRD jetzt, hier und heute? Die Antwort auf diese Fragen ist wichtig. Denn nur wenn wir wissen, wo wir stehen, können wir entscheiden, wie wir die Kompassnadel ausrichten müssen, um unseren Weg richtig weiterzugehen.

Wenn NRD’ler – egal ob Mitarbeitende oder Klienten – die NRD selbst beschreiben sollen, besteht das Risiko, die eigene Sichtweise zu stark zu betonen. Schwachstellen, aber auch große Schätze, die wir gar nicht als solche wahrnehmen, sollen daher mit Unterstützung von außen aufgespürt werden. Clowns werden unsere Helfer sein.

Clowns halten uns den Spiegel vor.

Zehn Clowns werden jetzt im März paarweise zehn Standorte der NRD erkunden: In verschiedenen Wohn- und Arbeitsbereichen werden sie mehrere Stunden lang zu Gast sein und versuchen, möglichst viel vom alltäglichen Geschehen mitzubekommen: Was ist das hier für ein Ort? Was ist hier los? Wer ist hier unterwegs und macht was? Freundlich und mitfühlend werden die Clowns in Aktion sein und Eindrücke sammeln, die sie anschließend unter Leitung der Regisseurin Ann Dargies zu einem Theaterstück verarbeiten.

Das Stück wird im Mai in der Lazaruskirche aufgeführt. Zuschauer werden Leitungskräfte der NRD sowie Vertreter von Bewohner- und Beschäftigtengremien (IWo und Werkstatträten) sein. Das Stück wird gleichzeitig gefilmt und kann so auch später im Internet und anderswo angeschaut werden. Gleichzeitig teilen Mitarbeitende und Klienten ihre Sicht auf die NRD und ihre Erwartungen für die Zukunft mit. Alles wird gesammelt, sortiert und ausgewertet – auch hierbei werden wieder rund 100 Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam aktiv sein und Ideen entwickeln, wie die wichtigsten Ergebnisse zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden können: Zum neuen Leitbild der NRD.

Fragen zum Leitbild-Prozess beantwortet das Projektteam gerne unter der Mailadresse

leitbild@nrd.de

Foto oben: Auftaktveranstaltung am 30.11.2016 in der Lazaruskirche. Die Clowns stellen sich vor.


Unten: Interviews mit Beteiligten am Leitbildprozess 1999.

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