Späte Liebe, ein Versprechen und Segen

29.10.2018 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

Späte Liebe, ein Versprechen und Segen

Wo die Liebe hinfällt, da will sie auch leben. Brigitte Vollkommer, 82, und Hans Autzen, 71, haben sich vor vier Jahren kennengelernt und wurden im Laufe des vergangenen Jahres ein Paar. Am 26. Oktober 2018 gaben sie sich im Wohnzimmer des Hauses Wormser Straße 3 in Pfungstadt ihr Freundschaftsversprechen – ganz offiziell. Die Hausgemeinschaft und etliche Mitarbeitenden erlebten den schönen Augenblick mit, Beate Braner-Möhl, Stabsstelle Diakonie in der NRD, gab dem Paar den Segen.

Brigitte Vollkommer und Hans Autzen leben beide schon seit etwa fünf Jahrzehnten in der NRD und mussten im Heim-Leben auf vieles verzichten, was für andere Menschen selbstverständlich ist. In den 1960er Jahren, als beide ins Heim kamen, war es streng verboten, dass Männer und Frauen sich näherkamen. Sie lebten in getrennten Häusern und betraten die Kirche auf  dem Heim-Gelände durch verschiedene Eingänge. Freundschaft und Liebe zwischen Männern und Frauen waren schlicht verboten und mussten verheimlicht werden, Sexualität gab es nicht und heiraten durfte man sowieso nicht, auch wenn kein Gesetz dies verbot.

Die Zeiten haben sich geändert. Menschen mit Behinderung wissen inzwischen mehr über ihre Rechte und werden auch darin unterstützt, sich ihre Wünsche zu erfüllen. So ging Brigitte Vollkommer eines Tages auf Maria Strebl, die Teamleiterin in der Wormser Straße zu, und äußerte ihren Wunsch: Sie und Hans Autzen möchten offiziell ein Paar werden. Nach vielen Gesprächen stand schließlich fest, wie dies vonstattengehen sollte.

Mit großer Aufregung blickte Brigitte Vollkommer dem großen Tag entgegen, während ihr Freund eher still in sich hineinlächelte, wie es seine Art ist. Am Freitag, 26.Oktober, war dann nachmittags der Tisch schön gedeckt und mit gelben Rosen geschmückt, denn gelb ist die Lieblingsfarbe von Brigitte Vollkommer. In schicker gelber Bluse, mit Perlenkette und Armband, nahm Brigitte Vollkommer dann ihren Ehrenplatz ein, neben Hans Autzen, der ins Knopfloch seines schwarzen Anzugs noch eine gelbe Rose gesteckt bekam.
Wie sie es vorausgesehen hatte, kamen Brigitte Vollkommer die Tränen, als dann ihr Wunschlied „Großer Gott, wir loben dich“ angestimmt wurde und Beate Braner-Möhl über die Liebe sprach. „Man spürt sie im Herzen, im Kopf, im Bauch und in den Beinen“, sagte sie unter einmütigem Nicken. Das glückliche Paar hielt derweil die Hände umschlungen und Brigitte Vollkommer sagte laut: „Ja, ich liebe ihn.“ Dann legte Maria Strebl beiden die Halsketten an, die sie für diesen Tag ausgesucht hatten: Die beiden Anhänger bestehen jeweils aus einem halben Herzen. Zusammengefügt sind sie eins.

Nachdem ein weiteres Lied gesungen war – „Jesu, geh voran“ – segnete Beate Braner-Möhl das Paar und schenkte beiden je ein kleines Kärtchen mit dem Bibelvers aus dem 1. Johannesbrief: Gott ist die Liebe. Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. „Das will ich gut aufheben“, sagte Brigitte Vollkommer. Dann war es Zeit, gemeinsam zu essen und zu feiern.

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