TEACCH: NRD mit eigenem Workshop bei Experten-Forum vertreten

13.06.2018 | Hanna Ashour

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Hanna Ashour

Hanna Ashour ist Referentin für Kommunikation der NRD. Ihr Einsatzgebiet ist der Regionalverbund Rheinland-Pfalz.

TEACCH: NRD mit eigenem Workshop bei Experten-Forum vertreten

Ende April zog es über 170 Interessierte sowie Referentinnen und Referenten aus dem ganzen Bundesgebiet, aber auch aus der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Österreich, in den Erbacher Hof nach Mainz. Der Grund dafür: Der gemeinsame Austausch rund um die Themen TEACCH und Autismus beim 13. Deutschen TEACCH Forum. Veranstaltet wurde das Forum von Diplompsychologin- und pädagogin Dr. Anne Häusler in Kooperation mit der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz. Hinter dem Kürzel steht die englische Bezeichnung Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children also die Therapie und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbeeinträchtigter Kinder.

Auch die NRD war bei der zweitägigen Veranstaltung dabei. Annette Schultheiß – ehemalige Mitarbeiterin im Berufsbildungsbereich und jetzt Fachberaterin für berufliche Integration in der Rheinhessen-Werkstatt Wörrstadt – hielt einen der Workshops. Im Interview erzählt sie von ihren Eindrücken.    

Frau Schultheiß, Sie waren mit einem eigenen Workshop beim TEACCH-Forum vertreten. Worum ging es dabei?     

Es ging um die Phase der sogenannten Eingangsdiagnostik im Berufsbildungsbereich. Hierbei ist es so, dass wir die Jugendlichen, die nach der Schulzeit zu uns kommen, zunächst anhand verschiedener Verfahren testen, um zu schauen, wie später eine Eingliederung ins Arbeitsleben gestaltet werden kann. Im vergangenen Jahr habe ich dazu ein Verfahren angewandt, das bisher überwiegend  für Menschen mit Autismusspektrumsstörungen eingesetzt wurde. Die Ergebnisse, die ich dabei gewonnen habe, waren der thematische Schwerpunkt meines Workshops. Anhand verschiedener Videosequenzen, die einzelne Beschäftigte in einer Testsituation zeigen, habe ich diese präsentiert. Außerdem habe ich die Chancen, Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt, die sich daraus ergeben.

Können Sie kurz erläutern, wie dieses Testverfahren in der Praxis abläuft? 

Anhand einer „Test-Kiste“ werden die Teilnehmer/innen zur Durchführung von verschiedenen Aufträgen angeregt. Dabei geht es zum Beispiel darum, herauszufinden, ob sich jemand schnell ablenken lässt oder auch dann konzentriert weiter arbeitet, wenn ihm niemand über die Schulter schaut. Hierbei greife ich nicht verbessernd ein, sondern erfasse lediglich die Ist-Situation. Die Auswertung ist in fünf verschiedene Kompetenzbereiche unterteilt und graphisch dargestellt: die beruflichen Fertigkeiten, das Arbeitsverhalten, die Eigenständigkeit, die Kompetenz zur Freizeitgestaltung, die funktionale Kommunikation sowie das zwischenmenschliche Verhalten. 

Welchen Nutzen können Sie daraus dann für Ihre weitere Arbeit ziehen?

Die wichtigsten Ergebnisse daraus werden wiederum in einer Verlaufsdokumentation vermerkt und anschließend im Teilhabeplan beziehungsweise in der Förderplanung angewandt. So können gezielt Fähigkeiten gefördert werden, die individuell auf den Beschäftigten und den Arbeitsbereich oder Arbeitgeber abgestimmt sind. Außerdem können wir dadurch besser auf mögliche Probleme oder Eskalationen eingehen, bzw. diese entschärfen, indem beispielsweise ein Einzelarbeitsplatz geschaffen wird.

Mit der Anwendung dieses Diagnostikverfahrens im Berufsbildungsbereich sind Sie also Vorreiterin?

Ja, soweit es mir bekannt ist. Ursprünglich wurde das Verfahren wie bereits erwähnt für Menschen mit Autismusspektrumsstörungen entwickelt. Es ist neu, dieses als Diagnostikinstrument auch zur Testung im Eingangsverfahren des Berufsbildungsbereiches zu nutzen und die Ergebnisse für die Bildungsplanung zu verwenden.

Wie lief der Workshop nach Ihrer Präsentation weiter ab?

Die Teilnehmer des Workshops erarbeiteten anschließend in Gruppen Förderempfehlungen für vier verschiedene Beschäftigte, die sie zuvor in den von mir mitgebrachten Videosequenzen kennengelernt hatten. Dabei sind weitere Ideen zur individuellen Förderung entstanden, die jetzt im Berufsbildungsbereich umgesetzt werden können.

Was ist Ihr Fazit zu der Veranstaltung?

Für mich persönlich kann ich sagen: zwei tolle Tage, in denen viel „gefachsimpelt“ wurde. Ich habe Informationen, neue Ideen und Anregungen für die jetzige und die weitere Arbeit mit den Beschäftigten mitgenommen und freue mich schon auf das nächste TEACCH Forum 2019, wieder in Mainz.

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