Vor und hinter der Kamera gut

24.04.2019 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

Vor und hinter der Kamera gut

Fünf Menschen mit Beeinträchtigung sind aktuell in Betriebsintegrierten Beschäftigungsverhältnissen (BiB) in der NRD-Verwaltung tätig, drei von ihnen im Rechnungswesen, zwei in der Servicezentrale. Schadrac Ntayingi, 21, träumt von einer beruflichen Zukunft in der Abteilung Kommunikation & Fundraising (KF). Seit Herbst 2018 ist er im Berufsbildungsbereich (BBB) der Mühltal-Werkstatt, zu dessen Angebot auch mehrere Praktika innerhalb und außerhalb der Werkstatt gehören. Sein zweites Praktikum machte Schadrac im Februar und März in KF.

Die Abteilung KF kannte der junge Mann schon ein bisschen, vor allem wegen seiner Kontakte zu Sabine Behrens, die das Sachgebiet Mediengestaltung leitet. Ihr hat er in den vergangenen Jahren immer wieder als Fotomodel gedient, wenn es galt, gute Bilder für die Öffentlichkeitsarbeit der NRD zu machen. Unter anderem posierte der junge Mann als Fußballer der Wichernschulmannschaft und brachte die Botschaft rüber: Auch wenn ich kleiner bin als andere – Fußball spielen kann ich gut.

So wurde Sabine Behrens seine Ansprechpartnerin für das Praktikum. Ihre Idee, dass er als BBB’ler eine Info-Broschüre über den Berufsbildungsbereich herstellen könnte, sprach den Praktikanten an. Was muss man dafür tun? Interviews machen, Fotos schießen, Texte am PC schreiben, das Gesamtprodukt am Bildschirm gestalten. In den ersten beiden Wochen seines Praktikums hat Schadrac dieses Ziel erreicht, natürlich mit intensiver Unterstützung des KF-Teams. Interviewt wurden Bertram Arnold, Teamchef des BBB, sowie zwei BBB’ler im Werkstatt-Praktikum und eine Mitarbeiterin der Gärtnerei. Dort macht Theresa Stute derzeit ihr zweites Praktikum im Rahmen der Ausbildung. Schadrac und sie kennen sich gut, deshalb war Theresa ganz unbefangen und gab locker Auskunft auf die Fragen, die ihr gestellt wurden. Schadrac nahm das Gespräch mit seinem Smartphone auf und machte Fotos mit der kleinen KF-Automatik-Kamera. Die Fragen hatte er vorher mit dem Team überlegt, dann getippt und ausgedruckt. So klappte es ganz gut.

Seine Höflichkeit und seine Freundlichkeit sind hilfreich für den Job des Journalisten. Weil es höflicher klingt, spricht er seine BBB-Kollegin Sarah im Interview mit „Sie“ an: „Was wollen Sie später mal beruflich machen?“ Das klingt besser als „Du“, findet er. Und es klingt auch offizieller.

Im Austausch mit Marlene Broeckers erfährt Schadrac, dass es entscheidend ist, wie man fragt. „Macht Ihnen die Arbeit Spaß?“ Eine solche Frage kann das Gegenüber mit einem Wort erledigen. „Ja“ oder „Nein“, und das Gespräch ist aus. Besser ist es, zu fragen: „Was gefällt Ihnen an dieser Arbeit und was nicht?“ Das gibt dem Gesprächspartner die Möglichkeit, Dinge aufzuzählen und etwas dazu zu erklären. Vielleicht kommt der Andere sogar ins Erzählen. So bekommt man viel Stoff.

Sehr ernsthaft führt Schadrac seine Arbeit durch, bedankt sich zum Abschluss und macht jeweils mehrere Fotos. Er hat gutwillige Gesprächspartner, die freundlich Auskunft geben. Neben Theresa Stute und Bertram Arnold sind dies Thomas Wagner, der mit über 40 Jahren erst kürzlich in den BBB eingestiegen ist, und die Floristen Eva Guttandin. Sie berichtet, dass die Gärtnerei unter anderem auch Hydrokulturen pflegt. Weiß Schadrac, was eine Hydrokultur ist? Nein, also muss er nachfragen. Denn als Journalist ist man nicht allwissend. Aber in der glücklichen Lage, dass man alles fragen darf, solange es sachlich und höflich geschieht. Es gibt vieles, was man beachten muss. Für den Neuling ziemlich viel auf einmal. Aber so ist das bei einem Praktikum in einem ganz neuen Bereich. Und es macht viel Spaß, wie man Schadrac anmerkt.

Leise betritt er das eine oder andere Zimmer in KF und bleibt nahe bei der Tür stehen, bis man ihn wahrgenommen hat. „Darf ich nochmal was fragen?“ Aber sicher. Ina Wagner, die Kommunikationsdesign studiert und gerade ein längeres Praktikum in KF macht, um demnächst in Teilzeit einzusteigen, gestaltet mit Schadrac die Interviews und Fotos in PowerPoint; die Online-Managerin Philine Steeb zeigt ihm, wie man das Ganze als Broschüre ausdruckt, Marlene Broeckers liest Korrektur, erklärt sinnvolle Kürzungen und verbessert Tippfehler. So sieht die Broschüre „BBB – was ist das?“ am Ende der zwei Wochen ziemlich cool aus und dürfte für viele Leser*innen informativ sein.

Auch den Bericht über seine ersten zwei Wochen im Praktikum muss Schadrac noch schreiben, denn dann folgen Urlaub und eine Theorieeinheit im BBB, bevor Ende März der zweite Teil des Praktikums startet. Was habe ich an welchem Tag gemacht? Schadrac stellt fest, es wäre einfacher gewesen, jeden Tag ein paar Notizen zu machen. So aber muss er in seinem Gedächtnis wühlen, damit am Ende alles richtig ist. Wieder was gelernt.

„Ich würde gern nach dem BBB hier arbeiten“, sagt er. Ob das möglich ist, hängt davon ab, dass es genügend Tätigkeiten gibt, die er als BiB’ler weitgehend eigenständig übernehmen könnte. Ob den Kreativen genug einfällt, wird sich zeigen. Es ist aber auch noch Zeit und Schadrac Ntayingi wird noch viel Neues kennenlernen, auch außerhalb der NRD. „In der Werkstatt bleiben möchte ich jedenfalls nicht“, sagt er. „Ich möchte auch mal mehr Geld verdienen.“

Foto: Schadrac Ntayingi interviewt die BBB-Kollegin Theresa Stute

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