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Werkstatt 4.0

04.01.2022 | Katrin Baginski

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Katrin Baginski

Katrin Baginski arbeitet als Pressereferentin und Texterin für die NRD.

Werkstatt 4.0

Im Montage- und Verpackungsbereich der Mühltal-Werkstätten steht seit einigen Monaten ein besonderes Arbeitsgerät. Der App-gesteuerte „Ulixes“ ist ein digitaler Arbeitsassistent und unterstützt die Beschäftigten bei der Bearbeitung von Produktionsaufträgen.

Eine der ersten, die das Arbeiten mit dem digitalen Werkstatt- Assistenten testen kann, ist Ruth P., sie arbeitet seit vielen Jahren in den Mühltal-Werkstätten. Zurzeit bearbeitet sie einen Auftrag für eine Trockenbaufirma und bestückt Materialbeutel. Dazu müssen Schrauben, Scheiben, Schlagdübel und Muttern in bestimmter Stückzahl in einen Plastikbeutel verpackt und für ein Materialset vorbereitet werden. 

Schrittweises Bearbeiten von Aufgaben

Annett Staier, zuständig für Vertrieb und Arbeitsvorbereitung in den Mühltal-Werkstätten, erklärt, wie der digitale Assistent Ruth P. bei dieser Arbeit sinnvoll unterstützen kann: „Der „Ulixes“ projiziert die einzelnen Arbeitsschritte mit Bildern, Symbolen, Videos und Text auf die Arbeitsfläche. So werden die Abläufe Schritt für Schritt erklärt und entsprechend den Bedürfnissen der Klient*innen veranschaulicht. Hinter der Arbeitsfläche befindet sich ein Regal mit mehreren Behältern, sogenannten Kleinladungsträgern, in denen das benötigte Material bereitgestellt ist. Ruth P. folgt den visuellen Anweisungen und wählt die verschiedenen Schrauben und Muttern aus den Behältern. Um die richtige Menge abzupacken, verwendet sie ein Zählbrett, auf dem sie alle Materialien vorsortiert. Das Zählbrett ist eine Hilfsvorrichtung, die in Eigenfertigung in der Werkstatt im 3D-Druckverfahren hergestellt wurde. „Die 3D-Drucktechnik bringt uns viele Vorteile, unter anderem hilft sie uns beim Vorrichtungsbau“, freut sich Annett Staier. Das projizierte Bild zeigt Ruth P. an, was als Nächstes zu tun ist: Eine grüne Farbfläche bestätigt ihr, nach der Montagekontrolle, dass der Arbeitsschritt richtig durchgeführt wurde, erst dann geht es mit dem nächsten weiter. Ist die Aufgabe fehlerfrei erledigt, leuchtet zum Schluss beispielsweise ein fröhlicher Smiley auf. 

Neue Anforderungen an die Arbeitsvorbereitung 

Alle Informationen werden in einer App-basierten Software programmiert. Für jede Arbeitsaufgabe wird ein eigener Arbeitsablauf angelegt. Das Erstellen der Arbeitsabläufe erfordert gewisse Kenntnisse, das weiß auch Gruppenleiter Heiko Niedermeyer, der die Einrichtung und Programmierung der ersten Arbeitsprozesse vorgenommen hat. „Der Umgang mit dem Kamerasystem und den Apps erfordert eine gewisse Routine, bietet aber auch viele Gestaltungsmöglichkeiten“.

Damit die benötigten Informationen verständlich dargestellt werden können, müssen die Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte im Vorfeld über das integrierte Kamerasystem erstellt werden. Dank des Projektors können auch Videos und Bilder eingebunden werden. Menschen, für die visuelle Informationen alleine nicht verständlich sind, können über eine Sprachausgabe akustische Informationen erhalten. 

Eigenständigkeit fördern 

Die digitalen Anweisungen richten sich nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Klient*innen, auch stärker eingeschränkte Menschen können dadurch in die Bearbeitung der Aufträge eingebunden werden. „Der digitale Assistent bringt uns viel Flexibilität. Komplexe Abläufe lassen sich in Teilabschnitte aufteilen. Auch kleine Aufträge können wir gut bearbeiten. Die Montagekontrollen mit dem Kamerasystem bieten zudem eine 100 % Verlässlichkeit in der Produktion“, macht Annett Staier deutlich. 

Anpassung an eine veränderte Arbeitswelt 

Für die Mühltal-Werkstätten ist die neue digitale Unterstützung ein Gewinn. Werkstatt-Mitarbeiter Joachim Heckwolf sieht hier großes Potenzial. „Langfristiges Ziel ist es, mehrere Arbeitsvorgänge an einem digitalen Arbeitsplatz zu organisieren.“ Im Falle der von Ruth P. gepackten Schraubenbeutel könnte dann beispielsweise auch das Wiegen, Einschweißen und Verpacken der Materialien digital begleitet werden. „Mit Hilfe des Assistenten schaffen wir zukunftsweisende, attraktive Arbeitsplätze für unsere Beschäftigten und können dadurch auch neue Kunden für komplexere Aufträge gewinnen.“ Auch andere Einsatzmöglichkeiten des „Ulixes“ hält Joachim Heckwolf für sinnvoll, beispielsweise bei Arbeitsschutz-Unterweisungen oder Schulungen zum Erlernen neuer Fähigkeiten. Die aktuelle Pilotphase zeigt bereits, dass sich die Anschaffung weiterer digitaler Assistenzsysteme lohnen würde.

1 ½ Jahre Vorlauf – Finanzierung durch Spenden

Nach Messebesuch, Produkt-Demonstration und anschließender Testphase waren viele Feinabstimmungen bis zum ersten „Live“-Einsatz des schon länger gewünschten digitalen
Werkstatt-Assistenten erforderlich. Dank rund 490 Spender*innen konnte die Finanzierung des „Ulixes“ mit rund 30.000 Euro – inklusive Ausstattung und Schulung – realisiert werden.

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