Fest angestellt in der Kita

12.02.2019 | Hanna Ashour

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Hanna Ashour

Hanna Ashour ist Referentin für Kommunikation der NRD. Ihr Einsatzgebiet ist der Regionalverbund Rheinland-Pfalz.

Fest angestellt in der Kita

Hannah Gräbling hat den Sprung von der Rheinhessen-Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft. Im Rahmen des Budgets für Arbeit ist jetzt Mitarbeiterin im Hauswirtschaftsteam der städtischen Kindertagesstätte „Auf der Bezirkssportanlage“ in Mainz-Bretzenheim.

„Weil’s einfach passt“, so erklärt Kita-Leiterin Silke Michel, warum es für sie keine Frage war, Hannah Gräbling fest ins Kita-Team zu übernehmen. Anfang des Jahres hatte ihre Vorgesetzte von der Stadt Mainz bei ihr angefragt, ob sie sich vorstellen könne, eine Beschäftige der Rheinhessen-Werkstatt im sogenannten „Budget für Arbeit“ einzustellen. Da man schon in fünf weiteren Kitas der Stadt positive Erfahrungen damit gemacht hatte, war die 45-Jährige gleich offen dafür. 

Wie beim Budget für Arbeit üblich, lernten sich alle Beteiligten anschließend in einem mehrwöchigen Praktikum noch besser kennen. „Ich war ganz neugierig und habe mich gefreut, etwas Neues auszuprobieren“, erinnert sich Hannah Gräbling. Die 24-Jährige brachte schon Erfahrungen im Hauswirtschaftsbereich mit. Direkt nach der Schule hatte sie zunächst in einer Jugendherberge und anschließend in der Kantine der Rheinhessen-Werkstatt gearbeitet. Welche Aufgaben sie in den ersten Tagen ihres Praktikums in der Kita genau gemacht hat, das weiß Hannah Gräbling schon gar nicht mehr so genau. „Ich weiß aber, was ich jetzt jeden Tag mache“, erklärt sie. „Ich trockne zum Beispiel das Geschirr ab, bereite die Tee- und Frühstückswagen vor, kehre den Staub im Flur zusammen oder beziehe die Betten neu.“

Symbol-Tafel gibt Orientierung

Sehr gut an die erste Zeit des Praktikums erinnern kann sich Annette Schultheiß, Fachberaterin der Rheinhessen-Werkstatt. „Hannah hat es von Anfang an gut in der Kita gefallen. Aber gerade in der stressigen Mittagszeit, in der die Kinder in zwei Etappen zu Mittag essen, wusste sie nicht so richtig, wie sie die Kollegen am besten unterstützen könnte. Da kam für beide Seiten schnell das Gefühl auf, es stehe jemand im Weg herum“. Ein Problem, für das die Fachberaterin schnell eine Lösung fand. Gemeinsam mit der Hannah entwickelte sie einen Tagesplan, der mit Hilfe von Symbolen auf einen Blick zeigt, wann welche Aufgaben zu erledigen sind. „Wenn ich morgens komme, schaue ich als erstes auf meinen Plan und weiß dann genau, wie der Tag ablaufen wird und wann ich was machen kann“, so die motivierte Mainzerin.
Nachdem der Tagesplan ein voller Erfolg war, wurde noch eine ergonomische Lösung für das Zusammenlegen der Wäsche gesucht. Hannah Gräbling pflegte die Wäsche auf dem Trockner zusammenlegen, was schnell Verspannungen und Rückenschmerzen mit sich brachte. Inzwischen nutzt sie dafür einen Rollwagen, der genau die richtige Höhe für sie hat. Und sie kann sie zudem die Wäsche auch bequem von A nach B schieben. 

Anfangs trafen sich Annette Schultheiß und Hannah Gräbling zwei Mal pro Woche in der Kita, um genau solche Probleme zu besprechen. Inzwischen reichen zwei Treffen im Monat aus. „Hannah ist sehr gut hier angekommen, so dass sie meine Unterstützung bestimmt schon bald kaum noch brauchen wird“, ist sich die Fachberaterin sicher. Trotzdem kann sich die 24-Jährige bei ihr melden, wenn es Probleme gibt und könnte auch jederzeit wieder zurück in die Werkstatt, wenn sie es wollte. Aber nicht nur Hannah, auch die Kita-Leitung oder das Hauswirtschaftsteam können sich bei Bedarf an Annette Schultheiß wenden, um Krisen oder Unstimmigkeiten gar nicht erst entstehen zu lassen.

Fester Vertrag mit Tariflohn

Die Kita-Leiterin sieht aber aktuell nicht, dass dies nötig ist und hat ein gutes Gefühl: „Hannah hat sich hier super integriert und fühlt sich sichtlich wohl. Sie ist ganz zuverlässig, sehr gewissenhaft und motiviert, da ist es auch kein Problem, dass sie etwas mehr Pausen braucht als andere.“ 

Hannah Gräbling hat das geschafft, wovon viele träumen, sie hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit tariflichem Lohn in der Tasche, eine Arbeit, die ihr Spaß macht und nette Kolleg*innen. Noch wohnt die handballbegeisterte Mainzerin bei ihren Eltern – doch den nächsten Schritt hat sie schon im Hinterkopf. „Bald möchte ich alleine wohnen, am besten, so wie jetzt, nah an der Kita. Das ist praktisch“, sagt sie. 

Unternehmen, die Menschen mit Behinderung einstellen, stärken ihr Profil als sozialer Arbeitgeber und tragen zur gesellschaftlichen Entwicklung bei. „Die Arbeitgeber können sich in der Regel über unglaublich motivierte Mitarbeiter freuen, die gerne arbeiten wollen und ihre Aufgaben sehr zuverlässig erledigen. Häufig übernehmen sie dabei Tätigkeiten, die die Fachkräfte entlasten und ihnen mehr Zeit für ihre Kernaufgaben lassen“, erklärt Annette Schultheiß die Vorteile.

Budget für Arbeit

Das Budget für Arbeit gibt es in Rheinland-Pfalz seit 2007. Das Ziel: Menschen mit Behinderungen beim Schritt in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu unterstützen, so dass sie ein Arbeitsverhältnis mit Sozialversicherung und Tarifbindung eingehen können.Der Arbeitgeber erhält dabei einen Lohnkostenzuschlag vom Land. Der oder die Beschäftigte hat jederzeit die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis zu beenden und wieder eine Tätigkeit in der Werkstatt aufzunehmen. Acht Beschäftigte der Rheinhessen-Werkstatt wurden seit 2011 in den Allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt, weitere Arbeitsverhältnisse sind im Entstehen.

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