Geschichte

Seit über 100 Jahren im Dienste von Menschen mit Behinderung

Die Entstehung der Nieder-Ramstädter Diakonie ist untrennbar mit dem Namen Johann Heinrich Wicherns verbunden, der Mitte des 19. Jahrhunderts in der evangelischen Kirche zur Inneren Mission aufrief, um auf das soziale Elend eine christliche Antwort zu finden.

So entstanden ab dieser Zeit in Deutschland mehrere Einrichtungen, die speziell die leidvolle Lage von epilepsiekranken Menschen ins Auge fassten. Eine Untersuchung im Großherzogtum Hessen im Jahr 1880 ergab, dass in dieser Region über 600 Menschen mit Epilepsie lebten, für die es keine geregelte Versorgung gab. Es dauerte noch fast 20 Jahre, bis 1898 in Frankfurt der Aufruf zur Gründung einer „Anstalt für Epileptische in Hessen“ erfolgte, der heutigen Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD). 
Die NRD hat sich im 20. Jahrhundert entsprechend den gesellschaftlichen und politischen Auf- und Abwärts- und wieder Aufwärtsbewegungen weiter- entwickelt und verändert.

1898-1932 Anfänge und erste Jahre
1898 Die „Anstalt für Epileptische in Hessen“ wird in Nieder-Ramstadt gegründet.
1899 Die ersten großen Häuser, getrennt für Frauen und Männer, werden gebaut.
1909 Ein großes Mühlengelände in der Nähe wird erworben und als Landwirtschaftsbetrieb genutzt.
1910 Kinder mit Körperbehinderung werden aufgenommen und zunächst in einer Baracke, später im „Elisabeth-Haus“ an der Dornwegshöhstraße untergebracht.
1928 Ein neues Haus wird als Wohn- und Ausbildungshaus für körperbehinderte junge Männer errichtet.
1932 Das „Rettungshaus“ für Jugendliche in Jugenheim / Rheinhessen wird übernommen und unter dem späteren Namen „Franz-Josef-Helferich-Haus“ zum Wohnheim für Menschen mit Behinderung umfunktioniert.
1933-1944 NS-Zeit
1935 Das Haus Magdala für Frauen wird gebaut, eine Kapelle – später ...
1936 ... Lazaruskirche genannt – wird auf dem Gelände errichtet.
1937 Die damaligen Nieder-Ramstädter-Anstalten (ab 1939: Nieder-Ramstädter Heime) gelangen zunehmend unter den Einfluss der Nationalsozialisten.
1941 1941 wird ein NS-Staatskommissar als Leiter eingesetzt, der Leitende Pfarrer Otto Schneider wird zunächst in Haft genommen und erhält dann Zutrittsverbot für das Heimgelände.
1942 Im Rahmen der „Euthanasie“-Aktion werden – wie überall in Deutschland ...
1944 ... alle behinderten Menschen in Heimen durch Meldebögen erfasst. Ärzte in Berlin entscheiden danach, ob die Menschen noch arbeitstauglich sind oder als „unwertes Leben“ getötet werden sollen. Rund 600 Menschen wurden nach und nach aus den „Nieder-Ramstädter Heimen“ – so hieß die Einrichtung ab 1939 – in staatliche Anstalten verlegt und von dort in Tötungs-Anstalten gebracht. Mehr als 450 Menschen aus Nieder-Ramstadt wurden nachweislich ermordet.
1945-1959 Neuanfang
1945 Wiederaufnahme der selbstständigen Arbeit durch die Nieder-Ramstädter Heime; betreut wurden überwiegend alte und chronisch kranke Menschen oder Patienten aus den umliegenden Krankenhäusern; nur wenige Menschen mit geistiger Behinderung hatten die NS-Zeit überlebt und wohnten noch in Nieder-Ramstadt.
1950 Die Aufnahme von Kindern mit geistiger Behinderung und die Eröffnung des Kinder- und Jugendhauses führte die Nieder-Ramstädter Heime wieder stärker an ihren ursprünglichen Auftrag – die Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung – heran.
1960-1999 Weiterentwicklung - Von der Pflege und Verwahrung zur Förderung
1962 Die Lazarus-Kirchengemeinde wird auf dem Gelände der Nieder-Ramstädter Heime etabliert.
1969 Die Wichernschule eröffnet als Schule für Praktisch Bildbare ihre Pforten.
1980/82 Bau und Einzug in das Haus Arche in Nieder-Ramstadt.
1984 Einweihung der Mühltal-Werkstätten.

Einführung der ersten Angebote zur Tagesbetreuung (die heutigen Tagesstätten), für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine Werkstatt besuchen können.
1996 Die ersten ambulanten Angebote entstehen und werden in der Folgezeit zum „Familienunterstützenden Dienst“ immer weiter ausgebaut.
1997 Das erste Wohnhaus für sechs Menschen mit Autismus wird eingerichtet.

In der Rheinhessen-Werkstatt in Wörrstadt/Rheinland-Pfalz wird die Arbeit aufgenommen.
1998 Einweihung der Einrichtung in Wallertheim/Rheinland-Pfalz.
1999 Einweihung der Mühltal-Werkstatt 2 in Nieder-Ramstadt.

Das Unternehmen heißt nun „Nieder-Ramstädter Diakonie“.
ab 2000 Regionalisierung: Auflösung der Anstalt – hin zu einem Leben mittendrin
2000 Das 100-jährige Bestehen der Nieder-Ramstädter Diakonie wird mit einem großen Fest gefeiert. Sechzig Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs installiert die Nieder-Ramstädter Diakonie mitten auf ihrem Gelände ein Mahnmal, das an die in der NS-Zeit deportierten und ermordeten Menschen erinnert. Die Namen aller Verschleppten werden in Form der früheren „Transportlisten“ in einem Buch gebunden, das seither seinen Platz in der Lazaruskirche hat.

Die Pläne zur Regionalisierung konkretisieren sich; Wohn,- Betreuungs-, und Beratungsangebote werden schrittweise an bestehenden und neuen Standorten in Hessen und Rheinland-Pfalz realisiert.
2003 Einführung verbindlicher, einrichtungsweit geltender Qualitäts-Standards (GBM-Verfahren).
2004 Eröffnung der „Frühförder- und Beratungsstelle“ in Groß-Gerau.
2009 Erste Pläne zur Umgestaltung des Kerngeländes in Mühltal in Richtung eines integrativen Ortsteils mit Mischnutzung werden vorgestellt.

Es sind bereits 16 Standorte, 2015 werden es mehrere Dutzend Standorte sein; parallel dazu werden die Wohnangebote auf dem Kerngelände in Nieder-Ramstadt abgebaut

Einweihung Rheinhessen-Werkstatt: Sehr gelungen!“ fanden die 90 Beschäftigten und 20 Mitarbeiter, als sie Ende Mai 2009 die neue Rheinhessen-Werkstatt in Besitz nahmen.
2010 Satzungsänderung; Umwandlung in den Stiftungsverein „Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie“.

2750 Chancen für Menschen mit Behinderung

Es sind bereits 17 Standorte

Weltkongress Inklusion in Berlin

900 Solarmodule wurden auf dem Dach der Mühltal-Werkstatt 2 in Nieder-Ramstadt installiert.
ab 2011 Weitere Unternehmensbereiche unter dem Dach der NRD
2011 Es sind bereits 18 Standorte

Erstmals wird die NRD zum Gegenstand einer Doktorarbeit. Das Thema – die Regionalisierung der NRD – eignet sich gut für ein Forschungsprojekt: Die Komplexeinrichtung NRD wandelt sich zum regionalen Anbieter.

Fotostrecke "Barrierefreie Blicke"

Wurzelwerk ist jetzt eine NRD-Tochter

Das Projekt „Geschichte“ wurde aufgelegt mit dem Ziel, möglichst viele Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Heimen gewohnt und gearbeitet haben.

Die Umwandlung des NRD-Geländes in Mühltal nimmt Gestalt an
2012 Gründung der „NRD Betrieb GmbH“ - Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt

Gründung der „NRD Altenhilfe GmbH“ - Anbieter stationärer Pflege für Senioren

„Schatzkiste“ unterstützt die Partnersuche
2013 „NeuLand“ wurde als Gemeinschaftsprojekt von NRD und der Ortsgemeinde Jugenheim realisiert.

Das „Haus am Fliednerplatz“, erste Mühltaler Pflegeeinrichtung mit 24 Plätzen, eröffnet am 1. August 2013.

Es sind bereits 26 Standorte

Kontakt

© Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie
Kommunikation und Fundraising
Bodelschwinghweg 5
64367 Mühltal

06151 / 149-2525
06151 / 144117

info@nrd.de

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    Rudi Cerne,
    TV-Moderator und Aktion Mensch-Botschafter
Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie

© Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie
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