Trotz der Betriebsruhe für die Beschäftigten - die Arbeit in den Werkstätten geht weiter

24.03.2020

Trotz der Betriebsruhe für die Beschäftigten - die Arbeit in den Werkstätten geht weiter

Seit über einer Wochen nun hat sich das Leben der Klient*innen und Mitarbeitenden der NRD aufgrund der Corona-Pandemie drastisch geändert. Wie der "neue Alltag" in den unterschiedlichsten Bereichen der NRD in Hessen und Rheinland-Pfalz nun gemeistert wird, darüber werden wir in einer Reihe von Beiträgen in der nächsten Zeit berichten.

Heute (24.3.2020) haben wir einen Blick in die Werkstätten der NRD in Mühltal und Dieburg geworfen.

Die 766 Menschen mit Behinderung – die Beschäftigten – die in den Werkstätten der NRD in Mühltal und Dieburg tätig sind, haben seit einer Woche Zwangspause. Die Entscheidung wurde vom NRD-Präventionsstab getroffen um die Gesundheit der Beschäftigten nicht zu gefährden. Gleiches gilt natürlich für Werkstatt im rheinhessischen Wörrstadt. Doch die Arbeit in den Werkstätten geht weiter: Alle 200 Mitarbeitenden der hessischen NRD-Werkstätten sind aktiv, um die Kundenaufträge zeitgerecht abzuarbeiten.

Unterstützt werden sie dabei von Kolleg*innen, die ansonsten mit der Produktion nichts zu tun haben, sondern im Sozialdienst, im Berufsbildungsbereich, den Tages(förder)stätten oder der Kantine tätig sind. Alle zusammen machen die spannende Erfahrung, dass sie sich jetzt viel besser kennenlernen. Und nun, da sie selbst Hand anlegen, merken viele Mitarbeitende, welches beachtliche Arbeitspensum die Beschäftigten üblicherweise bewältigen. Alle Achtung!

„Unsere Arbeitswelt hat sich schlagartig verändert“, sagt Andreas Koch, Leiter des Bereichs Arbeit in der hessischen NRD, wir haben uns in kürzester Zeit neu organisiert.“ Ziel des Krisenmanagements ist, die Aufträge zu erfüllen und so die Kunden zu halten, ohne dass die Beschäftigten der Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind. Letztere arbeiten im Normalfall vor allem in den Montage- und Verpackungsgruppen dicht nebeneinander – die vorgeschriebenen Abstandsregeln wären also nicht erfüllbar gewesen. Nicht alle Beschäftigten sind glücklich über ihren Zwangsurlaub. Ihnen ist langweilig und sie fühlen sich nicht gebraucht. Und sie fürchten außerdem, dass der Werkstattlohn am Monatsende dürftiger ausfällt. Doch das wird nicht passieren: Der NRD-Vorstand hat entschieden, dass die Löhne wie gewohnt ausgezahlt werden.

Es herrscht positive Stimmung

Ein Rundgang durch die Werkstätten in Mühltal und Dieburg macht deutlich: Hier läuft alles gut und in positiver Stimmung ab. Einzig der größte Leistungsträger – die Mühltaler Metallwerkstatt – hat derzeit Probleme, die Aufträge ihres wichtigsten Kunden, der Firma Philipp in Aschaffenburg, im gewohnten Umfang zu erfüllen. „Wir produzieren hier normalerweise bis zu 70.000 Gewindehülsen pro Woche für die Firma Philipp, „sagt Gruppenleiter Jens Zöllner, „im Moment schaffen wir nur 20.000.“ Üblicherweise sind in der Metallwerkstatt Mühltal 25 Beschäftigte und vier Mitarbeiter tätig. Acht Mitarbeitende, die heute (24. März) zur Verfügung stehen, und drei bis vier weitere, die morgen dazukommen, können dieses Pensum nicht bewältigen. „Doch wir sind natürlich mit der Firma im Gespräch, es gibt derzeit noch keine Probleme“.

Auch mit allen anderen Kunden sind die Werkstätten in Kontakt, um die derzeit laufenden 17 Großaufträge zu besprechen und die weitere Zusammenarbeit zu erörtern. Manches bleibt dabei ungewiss, denn die Auftraggeber schweben unter Umständen selbst in der Gefahr, ihre Produktion einschränken oder ganz stoppen zu müssen, oder sie stehen im Hygiene/Medical-Bereich vor großen Herausforderungen.

„Eine total neue Erfahrung“

Viele Montageaufträge erledigt die Mühltal-Werkstatt im Hygiene-Bereich für die Firma Riegler. Wo sonst 28 Beschäftigte Kunststoff-Ampullen zusammenschrauben, sind jetzt vier Mitarbeitende tätig. Ebenfalls für Riegler arbeitet eine Gruppe im 1. Obergeschoss der Mühltal-Werkstatt 2. „Es ist eine total neue Erfahrung“, sagt Elke Westermann, die ansonsten für Begleitmaßnahmen zuständig ist. Sie befördert kleine Wachsplättchen in Schraubkappen aus Kunststoff, mit denen kleine Flaschen verschlossen werden. „Man muss sich voll konzentrieren. Ich sehe jetzt erst, was unsere Beschäftigten für eine Leistung bringen.“ Heike Lahr-Tegel, sonst bei den Begleitmaßnahmen tätig, bedauert, dass sie diese Erfahrung nicht schon vor 20 Jahren machen konnte. „Es verändert etwas“, ist sie sich sicher.

Auch in den Dieburger Werkstätten ist die Stimmung gut. 290 Beschäftigte sind insgesamt normalerweise in den Werken 1 und 2 sowie in der Reha-Werkstatt tätig. Sie werden von 68  Mitarbeitenden begleitet, die nun selbst die Arbeit erledigen, mit Unterstützung ihrer Kolleg*innen aus anderen Bereichen. In der Metallwerkstatt sitzen Kolleginnen an den Dreh- und Bohrmaschinen, die sonst in der benachbarten Tagesförderstätte 30 Klient*innen mit schwerer Beeinträchtigung betreuen. „Ich find’s gut“, sagt Nina Schrod, die demnächst ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin beendet. „Ich bin froh, dass wir Arbeit haben“ sagt Isabell Heeg, Teamleiterin der Tagesförderstätte, „und man lernt endlich die Werkstatt-Kollegen besser kennen, die man sonst eigentlich nur grüßt.“

„Super für den Teamgeist“

„Super für den Teamgeist“ findet auch Stefanie Seemann vom Sozialdienst die gemeinsame Arbeit in der Werkstatt. Sie hilft im Team von Mariana Schaubach mit, wo große Kartons für die Firma Caparol in Ober-Ramstadt zusammengesetzt werden.

Die Motivation hochhalten – das ist das Ziel von Joachim Heckwolf, dem Leiter der Dieburger Werkstätten. Dazu dient auch das gemeinsame Mittagessen, das er mit einigen Kolleg*innen in der Kantine einnimmt. 15 Portionen Schnitzel mit Pommes hat Brigitte Boller heute zubereitet, nachdem geklärt war, wer mitessen möchte. „Eine gute Gelegenheit, den Tiefkühler von kleineren Restmengen zu befreien und diese zu verarbeiten“, sagt sie.                                                    Marlene Broeckers

Unser Bild: Nina Schrod schließt demnächst ihre Ausbildung als Heilerziehungspflegerin ab und arbeitet üblicherweise in der Tagesförderstätte Dieburg. Jetzt sitzt sie in der Metallwerkstatt  beim Gewinde-Schneiden– und findet’s gut.


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