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So normal wie möglich durch die Krise

09.04.2021 | Marlene Broeckers

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Marlene Broeckers

Texterin und Pressereferentin der NRD

So normal wie möglich durch die Krise

Teilhabe ermöglichen trotz Pandemie – diese Aufgabe beschäftigt die NRD-Kolleg*innen in der Betreuung tagtäglich. Wie gelingt Teilhabe in einem Bereich mit Intensivbetreuung? Wie kommen Klient*innen, die kognitiv nicht in der Lage sind, den Grund für Einschränkungen zu verstehen, mit den Begrenzungen zurecht, die nun schon seit einem Jahr gelten? NRD bewegt! sprach darüber mit Gernot Grünig, der gemeinsam mit Rebecca Schmötzer das Team in der Hofreite Reinheim-Ueberau leitet.

Ein Nachmittag im Februar, 15 Uhr. Im Raum der Tagesstätte (TS) schnippelt Gernot Grünig Gemüse. Er hat sich bereiterklärt, das Mittagessen für die acht Bewohner vorzubereiten, die morgen hier zu Mittag essen werden. Eine Kollegin hat sich die Hand verletzt, deswegen hilft er hier aus. Während die Gulaschsuppe köchelt, erzählt er: „Teilhabe, das ist auch jenseits von Corona keine Selbstverständlichkeit für die Menschen, die hier wohnen. Aber wir haben Glück mit diesem Standort. Ueberau ist ein aktives und aufgeschlossenes Dorf. Wir haben uns gut eingeklinkt und sind dabei, wo immer es möglich ist. Zum Beispiel beim ‚Tag der offenen Höfe‘, beim Lebendigen Adventskalender oder bei der Fastnacht. Und im Alltag sind wir viel mit den Menschen unterwegs, immer in 1:1-Betreuung. Wir gehen spazieren und einkaufen. Man kennt uns inzwischen.“

Veränderung wirkt verstörend

Corona hat in vielen Betreuungsbereichen der NRD dazu geführt, dass ein Mitarbeiter für die ganze WG den Einkauf macht. Klient*innen sollten so wenig wie möglich in Geschäfte gehen. „Das passte für uns nicht“, sagt Gernot Grünig, der im Jahr 2000 seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger begonnen
und mit Intensiv-Klienten viel Erfahrung hat. „Unsere Leute hätten das nicht akzeptiert, dass ihre Beschäftigungen, die zum Teil regelrecht rituellen Charakter haben, nun plötzlich ausfallen sollten. Zum Beispiel begleiten wir jeden Tag einen Klienten zum Dorf-Bäcker. Der Besuch beim Bäcker ist ein Teil der Tagesstruktur für die Einzelnen. Und diese zu ändern, ist nicht ratsam. Wir haben es auch im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 schon gemerkt, dass Veränderungen wie das Zutrittsverbot in der Werkstatt und Tagesstätte Mühltal auf unsere Leute sehr verstörend wirkten. Sie wurden unruhiger, zum Teil aggressiv. Es ging ihnen sichtlich nicht sehr gut.“

Zehn der insgesamt 16 Bewohner*innen sind in normalen Zeiten tagsüber in Mühltal beschäftigt. Einer in der Werkstatt, die anderen in den Tagesstätten. „Dieses zweite Milieu hat ihnen im Lockdown 2020 total gefehlt“, so Grünig. Inzwischen besuchen die Klienten wieder die TS Mühltal, wo sie in einem Cluster betreut werden. 2020, als alle zu Hause bleiben mussten, gab es zwei Monate Unterstützung von Mühltaler Kollegen. „Das war super für alle beteiligten Mitarbeitenden“, erklärt Grünig. „Oft fehlt wechselseitig das Verständnis, durch die Zusammenarbeit hat sich das geändert. Für die Mühltaler war es sehr interessant,
mal die konkreten Wohnverhältnisse hier in der Hofreite kennenzulernen. Und für uns war es sehr gut, mitzuerleben, wie engagiert sie für jeden Einzelnen da sind.“

Guter Kontakt zahlt sich aus

„Wir bemühen uns um möglichst viel Normalität“. Das war und ist die Devise der 30 Ueberauer Kolleg*innen. Wie geht das, wenn nur fünf der 16 Klient*innen zuverlässige Maskenträger sind? „Der gute Kontakt zu vielen Geschäftsinhabern in Ueberau und Reinheim hat sehr geholfen, Verständnis aufzubauen“, sagt Grünig. „Die Bäckerei akzeptiert einzelne Klienten auch ohne Masken als Kunden, wenn wir allein in den Laden kommen. Es hängt ja auch eine große Schutzscheibe über der Theke.“
Ein guter Draht besteht auch zur Evangelischen Kirchengemeinde. Diese überlässt dem Team die Räumlichkeiten im nahe gelegenen Gemeindehaus für Besprechungen mit vielen Teilnehmer*innen.

„Uns fällt viel ein“

Der Freitag ist in normalen Zeiten immer ein besonderer Tag. Dann erfüllt das Team einzelnen Klienten ganz individuelle Wünsche. Zum Beispiel schwimmen oder ins Kino gehen, im Darmstädter Ratskeller zu Mittag essen, im Altstadtcafé Reinheim Kaffee trinken oder Kleidung einkaufen gehen. Vieles davon war
in den Lockdowns nicht möglich, also schafften die Mitarbeitenden Ersatz dafür. Statt eines Café-Besuchs gab es dann eine Autofahrt zur Tankstelle. Der Klient, der keine Maske tragen kann, bleibt im Auto sitzen, während sein Betreuer ihm einen leckeren Cappuccino holt. Grünig ist stolz auf das Team: „Weil uns Teilhabe so wichtig ist, denken wir nach über Alternativen - und da fällt uns viel ein“.

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