"Sprachrohr für die Belange behinderter Menschen"

13.03.2019 | Hanna Ashour

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Hanna Ashour

Hanna Ashour ist Referentin für Kommunikation der NRD. Ihr Einsatzgebiet ist der Regionalverbund Rheinland-Pfalz.

"Sprachrohr für die Belange behinderter Menschen"

Er setzt sich für die Belange und Interessen von Menschen mit Behinderung ein, fördert und intensiviert die Zusammenarbeit zwischen den Angehörigen, Betreuern und der Wohnverbundsleitung – die Rede ist vom Angehörigen- und Betreuerrat, kurz ABR. Wie dieser im Wohnverbund in Wallertheim aufgestellt ist, das erklärt ABR-Mitglied Kurt Donarski im Interview.

NRD bewegt!: Herr Donarski, Sie sind ABR-Mitglied der ersten Stunde. Wie ist der Beirat gestartet?

Kurt Donarski: Ich kann schon auf eine lange ABR-Zeit zurückblicken. Der Wohnverbund Wallertheim wurde vor rund zwanzig Jahren in Betrieb genommen. Und zu diesem Zeitpunkt hat sich auch der ABR gegründet. Schon nach kurzer Zeit hatten sich damals Engagierte gefunden, denen es ein Anliegen war, insbesondere die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner zu vertreten. Ich habe selbst eine Tochter, die hier lebt, und ein Forum wie den ABR mitzugestalten, war mir von Beginn an wichtig.

NRD bewegt!: Worin besteht die primäre Arbeit des ABR?

Kurt Donarski: Das Grundanliegen des ABR besteht darin, die Interessen der Menschen, die hier leben, im Sinne des Landesgesetzes über Wohnformen und Teilhabe (LWTG) zu vertreten. Eines der Ziele des Gesetzes: Menschen mit Behinderung in ihrer Würde, Privat- und Intimsphäre achten sowie ein selbstbestimmtes Leben stärken, das sich an ihrem Wohl und ihren Wünschen orientiert. Für die Einhaltung dieser Grundgedanken steht der ABR. Gerade hier in Wallertheim leben viele Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht für sich selbst sprechen können, da verstehen wir uns als zusätzliches Sprachrohr neben den Eltern und gesetzlichen Betreuern.

NRD bewegt!: Wie sieht Ihre Arbeit in der Praxis aus?

Kurt Donarski: Wir treffen uns in regelmäßigen Abständen und natürlich immer dann, wenn es akut etwas zu besprechen gibt. Gerade bei Problemen oder Konflikten suchen wir Lösungen und vermitteln. Ein gutes Miteinander zwischen allen Beteiligten ist uns ganz wichtig. Schließlich ist mir auch bewusst: nur, wenn es den Mitarbeitern gut geht, geht es auch meiner Tochter und schließlich mir gut. Bei allem, was wir tun, tauschen wir uns selbstverständlich auch eng mit der Bewohnervertretung aus und stimmen uns mit dem Vorstand der NRD ab.

NRD bewegt!: Das klingt nach guter Zusammenarbeit.

Kurt Donarski: Ja, das kann ich auf jeden Fall bestätigen. Ich bin äußerst zufrieden damit, wie der Umgang zwischen unserem ABR und der NRD ist. Die Möglichkeit, Probleme lösungsorientiert zu diskutieren und ein verständnisvoller Umgang miteinander, bis hin zum Vorstand, schätze ich sehr. Gemeinsame Info-Veranstaltungen von ABR und der NRD sind dabei ein wichtiges Instrument. Hier können wir grundlegend über Aktuelles informieren, Hintergründe erläutern und Ängste abbauen. Ganz wichtig dabei: die Eltern müssen mitreden dürfen, schließlich kennen sie ihre Kinder meist am besten. Das heißt aber nicht, dass ich gar keine Wünsche mehr hätte. Schön wäre es beispielsweise, wenn Probleme ohne zeitliche Verzögerung angesprochen und Informationen noch frühzeitiger an den ABR kommuniziert würden.

NRD bewegt!: Die Arbeit des ABR ist auch eng mit der des Wallertheimer Fördervereins verzahnt, richtig?

Kurt Donarski: Ganz genau. Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren schon vieles umgesetzt und eine Menge erreicht. Im Laufe der Jahre sind dabei schon stolze 100.000 Euro zusammengekommen. Damit konnten verschiedene Anschaffungen getätigt werden und besondere Wünsche wie Tanzkurse, Kinovorführungen oder Besuche auf einem Reiterhof umgesetzt werden. Eine unserer letzten gemeinsamen Aktionen war eine Tombola auf dem diesjährigen Maifest und am 15. Dezember werden wir wieder mit einem Stand auf dem Wallertheimer Weihnachtsmarkt vertreten sein.

NRD bewegt!: Welche Themen bewegen den ABR zurzeit ganz besonders?

Kurt Donarski: Aktuell sind es beispielsweise die Regionalisierung in Rheinhessen und natürlich die Veränderungen durch das Bundesteilhabegesetz. Außerdem beschäftigen uns der Personalstand und das Fortbestehen des ABR. Derzeit sind wir mit fünf Personen noch ganz gut aufgestellt. Leider ist es aber schwierig, weitere Engagierte zu finden. Die bestehenden Mitglieder werden selbst immer älter und können sich dementsprechend zum Teil nicht mehr so aktiv einbringen.

NRD bewegt!: Sie haben erwähnt, dass Ihre Tochter nun schon 20 Jahre im Wohnverbund in Wallertheim lebt. Gab es nie Umzugsgedanken?

Kurt Donarski: Nein. Die NRD hat uns damals zugesagt, dass unsere Tochter hier in Wallertheim mit der Gebärdensprache begleitet wird, die sie kennt, und hat Wort gehalten. Dank der Mitarbeiter konnte sie sich sehr gut weiterentwickeln, wurde ganz prima gefördert und hat ein höheres Maß an Selbständigkeit und Teilhabe erreichen können. Sie ist hier zuhause. Und es ist ganz toll, das als Elternteil so zu erleben.

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