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Freunde zu Gast – ein Abend beim Stammtisch vom Betreuten Wohnen

27.08.2021 | Joachim Albus

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Joachim Albus

Joachim Albus arbeitet als Pressereferent und Texter für die NRD.

Freunde zu Gast – ein Abend beim Stammtisch vom Betreuten Wohnen

Es war ein warmer, sonniger Freitagabend. Perfekt für den Stammtisch des Betreuten Wohnen Groß-Gerau, der zum ersten Mal im Garten des Stammtisch-Beauftragten Christian Ludwig stattgefunden hat. Seit rund eineinhalb Jahren füllt Christian Ludwig, Klient im Ambulant Betreuten Wohnen Groß-Gerau, den Job des Stammtisch-Beauftragten mit Leben. Mit Eifer und Leidenschaft ist er dabei, schlug vor, das monatlich stattfindende Treffen nicht wie sonst üblich im Restaurant „Luley“ in Mörfelden abzuhalten. Sondern bei sich im Garten. Seiner Einladung sind an diesem Abend sieben Klient*innen und mit Tanja Schöpplein und Stefan Kubenk zwei NRD-Mitarbeitende gefolgt.

„Ich mache das sehr gerne und finde toll, dass so viele gekommen sind. Ich kenne die meisten schon ganz lange und stelle meinen Garten sehr gerne zur Verfügung. Jeder darf sich zu trinken nehmen, was er möchte“, sprudelte es aus ihm sichtbar aufgeregt heraus. Christian Ludwig arbeitet seit elf Jahren im Technologie- und Servicezentrum CHG-Meridian AG in Groß-Gerau, nimmt dort Geräte von Kunden an und löscht Kontaktdaten. Seine Frau Corinna Ludwig, mit der er seit 2014 verheiratet ist, ist ebenfalls Klientin.

Endlich wieder Stammtisch!

Die Zusammenarbeit mit dem NRD-Team des Betreuten Wohnens Groß-Gerau mache ihm großen Spaß. In Absprache mit Tanja Schöpplein, seit 2018 bei der NRD und seit Mai 2021 stellvertretende Teamleiterin, Teamleiter Johannes Korb, Wohnverbundsleiterin Kathrin Benz oder einem/r anderen Mitarbeiter*in organisiert Christian Ludwig die Stammtische. Bevor er seinen Garten den Betreuer*innen vorschlug, habe er das mit seiner Familie, die mit ihm im Haus wohnt, abgeklärt. Das war für ihn selbstverständlich. Dann hat er die lange Tafel aufgebaut, eingedeckt, die Getränke und Gläser hingestellt. Er rief die anderen Klient*innen an, um sie einzuladen. So, wie es ein guter Gastgeber eben macht. Um 18 Uhr traf sich die Gruppe, ab 19 Uhr ließen sich alle das bestellte chinesische Essen schmecken. Die Stimmung war ausgelassen, man witzelte, redete über Ernstes – vor allem den „Frischling“ der Gruppe, Ugur Özmen, konnte man oftmals lauthals lachen hören. Er ist seit dem Frühjahr im Betreuten Wohnen, fühlt sich dort sehr wohl. „Hier sind überall nette Leute“, findet er.

Ausgelassen war die Stimmung beim Stammtisch des Betreuten Wohnens Groß-Gerau.
Ausgelassen war die Stimmung beim Stammtisch des Betreuten Wohnens Groß-Gerau.

Was vor Corona ganz normal war, fiel für rund 18 Monate völlig aus. Für viele Klient*innen ein Schock. Erst im vergangenen Juli wurde der Stammtisch wieder reaktiviert. Klientin Martina Guhlmann, die in dieser Zeit besonders gelitten hat, fand deutliche Worte: „Die Corona-Zeit war ganz großer Mist! Ich konnte gar nichts mehr machen. Ich wünsche mir, dass Corona irgendwann mal aufhört“, sagte sie zwischen zwei Gabeln gebratenem Reis. Jetzt wolle sie sich künftig mehr einbringen. Sie wollte zum Beispiel in diesem Dezember bei sich zu Hause im Gemeinschaftsraum eine Weihnachtsfeier für die Klient*innen für das Betreute Wohnen organisieren. Sie hätte die Feier unter das Motto gestellt: „Weihnachten wie früher bei meiner Mutter mit Würstchen und Kartoffelsalat.“ Leider wurde dieser Idee wegen der Corona-Auflagen eine Absage erteilt – für dieses Jahr. Tanja Schöpplein versichert, sie 2022 nachzuholen.

Gefordert und gewollt: Noch mehr Verantwortung übernehmen

Erzieherin Tanja Schöpplein bewertet die Eigeninitiative ihrer Klient*innen durchweg positiv: „Genau das wollen wir. Wir möchten, dass sie noch mehr Verantwortung übernehmen, dass sie zunehmend selbstständiger werden.“ Gelegenheiten dazu bietet das Mitarbeitenden-Team des Betreuten Wohnens immer wieder zur Genüge, sei es bei einem Schwimmbad-Besuch, einem Städtetrip oder einfach beim Üben, alleine einkaufen zu gehen. Auch das selbstständige Fortbewegen mit Bus und Bahn ist Tanja Schöpplein ein großes Anliegen. „Wir haben hier einige Erfolge zu verzeichnen“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Der Stammtisch-Beauftrage Christian Ludwig (li) erklärt Robin Berdel, wie man filmt.
Der Stammtisch-Beauftrage Christian Ludwig (li) erklärt Robin Berdel, wie man filmt.

Klientin Jennifer Rieger zum Beispiel erzählte, dass sie mittlerweile ganz alleine den Weg von daheim zum Stammtisch im „Luley“ fahren kann. Oder Robin Berdel, der leidenschaftlich gerne tanzt und malt. Auch mit ihm hat das Betreute-Wohnen-Team ein Jahr lang geübt, mutiger zu werden, in vielen Bereichen. So kann er nach intensivem Bus- und Zugtraining mittlerweile ins Büro nach Groß-Gerau kommen. „Das klappt jetzt gut, ohne Probleme“, bestätigte er. Mit der „Lebenshilfe“ verbringt er demnächst seinen Urlaub auf der Schwäbischen Alb. Auch die anderen dürfen sich auf spannende Unternehmungen freuen: Geplant sind das Zubereiten eines türkischen Frühstücks – unter der Anleitung einer muslimischen NRD-Mitarbeiterin – Männerstammtische, Workshops sowie Fortbildungen und Klausurtage für die NRD-Beschäftigten.

„Wenn es meinen Freunden gefallen hat …“

Christian Ludwig erfüllte seine Aufgabe als Stammtisch-Beauftragter und Gastgeber an diesem Freitagabend nahezu perfekt. Er kümmert sich liebevoll um seine Gäste, fragt immer wieder nach, ob noch jemand etwas zu trinken wolle, redete viel mit seinen Gästen, zeigte und erklärte ihnen Dinge. „Wenn es meinen Freunden gefallen hat“, bietet der Stammtisch-Beauftragte gegen Ende an, „können wir das gerne öfter machen, hier bei mir. Ich habe alles schon mit meiner Familie abgeklärt.“

Die insgesamt sechs NRD-Mitarbeitenden – drei Männer und drei Frauen – des Ambulant Betreuten Wohnens kümmern sich aktuell um 16 Klient*innen in und um Groß-Gerau. Zwischen acht und zehn Erwachsene mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen kommen zu den Stammtischen. Dem Team um Wohnverbundsleitung Kathrin Benz ist es wichtig, Ideen ihrer Klient*innen in den Alltag einzubeziehen. „Die Selbstständigkeit unserer Klient*innen liegt bei uns absolut im Fokus“, sagt Erzieherin und stellvertretende Teamleiterin Tanja Schöpplein.

Das Team von „Ambulantes Betreutes Wohnen“ arbeitet ab dem 01. Dezember 2021 nicht mehr von der August-Bebel-Straße aus – zu klein sind die Räumlichkeiten für die sechs Mitarbeitenden geworden. Ab Dezember findet man es in der rund 500 Meter entfernten Schützenstraße. Dort wird man sich in Büros auf insgesamt 218 Quadratmetern Grundfläche einmieten, die man sich mit der Orbishöhe, der Teilhabe Hessen und dem WV Mörfelden teilt.

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