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Tierisch gut

17.08.2023 | Joachim Albus

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Joachim Albus

Joachim Albus arbeitet als Pressereferent und Texter für die NRD.

Tierisch gut

Seit Kurzem ist die NRD-Familie um eine angehende Fachkraft reicher: Scotty macht Menschen glücklich, lässt sie ihre Sorgen vergessen und animiert sie zur Bewegung. Mehr noch: Scotty kann Menschen zum Sprechen bringen. Das Multitalent ist auf dem Weg, ein ausgebildeter Therapiebegleithund zu werden.

Seit November 2021 gehört der vierjährige Golden Retriever Tanja Schöpplein, stellvertretende Leitung des Betreuten Wohnen Groß-Gerau. In fast drei Jahrzehnten hatte die Hundeliebhaberin vier Hunde und eigentlich sollte nach dem Ableben ihrer letzten beiden keiner mehr folgen. Doch als sie Scotty über eine Bekannte vom Tierschutz Bischofsheim kennenlernte, war es um sie geschehen. In einer ersten Aufnahmeprüfung gaben Experten ihm die Schulnote 2 plus – damit war der Weg für die Ausbildung zum Therapiebegleithund frei.

Tiergestützte Pädagogik ist für Tanja Schöpplein nichts Neues. Schon damals, als Scottys „Vorgängerinnen“ Stella und Pebbles noch lebten, bot sie in einem selbstständigen Rahmen tiergestützte Projekte innerhalb der NRD an. Scotty hingegen ist bald ganz offiziell ein NRD-Therapiebegleithund – auch, weil sich Schöppleins Vorgesetzte Kathrin Benz und Fabien Muller dafür stark gemacht haben. Was noch fehlt, ist die dafür notwendige Prüfung, die Tanja Schöpplein am Ende des Jahres plant. Dann nämlich hat Scotty rund ein Jahr Training hinter sich – und Schöpplein alle Theorieprüfungen. „Im Januar gab es freitags bis sonntags Blockseminare, insgesamt 28 Stunden Theorie“, erzählt sie. Was folgte, war das Praxistraining auf dem Hundeplatz, sechs Sonntage lang, wo ausgebildete Trainer*innen Hunde samt Frauchen und Herrchen schulten. Abschließend gab es die sogenannte Sachkunde-Prüfung, die unter anderem Tierschutzrecht, Hundepflege und -hygiene zum Gegenstand hatte und die sie mit Bravour bestand.

Regelmäßiges Training ist das A und O bei einer Hundeausbildung, deshalb trainiert Tanja Schöpplein täglich mit ihrem Liebling. Nach getaner Arbeit, in ihrer Freizeit, bringt sie ihm nach und nach Manieren, Kunststücke und Tricks bei. Sein gutmütiger Charakter kommt ihr dabei zugute. Stets achtet sie darauf, wie Scotty reagiert, beendet die Übungen sofort, sobald er Ermüdungserscheinungen zeigt. „Der Hund wird zu nichts gezwungen!“, stellt Schöpplein klar.

Um ihn auch an lautere Menschen zu gewöhnen, suchen Tanja Schöpplein und Scotty hin und wieder bewusst NRD-Standorte auf, von denen sie wissen, dass es dort selten ruhig zugeht. Rund einmal pro Monat hospitiert die stellvertretende Teamleitung darüber hinaus in einem Altenheim, um sich dort tiergestützte Arbeit anzuschauen.

Training in Mörfelden

Basis für ihre Prüfung aber ist das wöchentliche Training im Appartementwohnen am NRD-Standort in Mörfelden. Dort, im Multifunktionsraum, bieten Schöpplein und Scotty einer kleinen Gruppe Bewohner*innen 45 Minuten Unterhaltung, Abwechslung, Spaß an. Die Einheiten dienen dem Hund-Mensch-Team als optimale Vorbereitung auf die große Prüfung Ende des Jahres. Genau in diesem Raum, genau vor diesen Klient*innen wird der Prüfer / die Prüferin beurteilen, ob Scotty das Zertifikat „Therapiebegleithund“ bekommt. Dabei wird beispielsweise auch darauf geachtet, ob Kabel herumliegen und ob Scottys Trinknapf nicht zufällig neben einer Steckdose platziert ist.

Länger als 45 Minuten darf so eine Einheit nicht dauern, sagt der Tierschutz, außerdem muss der Hund nach spätestens 15 Minuten eine Pause bekommen. Öfter als zweimal pro Woche darf er ohnehin nicht eingesetzt werden, das Arbeiten mit Klient*innen bedeutet für den Hund puren Stress. Die Signale, die der Vierbeiner dann aussendet, erkennt sein Frauchen sofort. Dann darf sich Scotty auf seine Ruhedecke legen. Im Ruhemodus ist es allen untersagt, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Scotty ist ein echtes Multitalent. Schon jetzt bewegt er Menschen, die normalerweise nur zuhause sind, zu Spaziergängen, bringt Klient*innen, die sonst nie sprechen, dazu, ihm Sorgen und Ängste anzuvertrauen. Introvertierte Charaktere öffnen sich in Gegenwart des Hundes, traurigen Menschen zaubert Scotty ein Lächeln ins Gesicht, seine Anwesenheit wirkt Wunder. „Es gibt einen depressiven Klienten, der das Haus nie verlässt. Wenn der weiß, dass ich mit Scotty komme, macht er sich fertig, zieht seinen Hut auf und wartet drei Stunden lang voller Vorfreude auf uns“, erzählt Tanja Schöpplein. „Während des Waldspaziergangs erzählt er Scotty seine Sorgen. Meistens halte ich mich da völlig raus und sage nichts. Man spürt, wie ihn das befreit und wie er sich dabei entspannt.“

Und was ist Scottys Geheimnis? „Hunde begegnen anderen Menschen immer wertneutral. Sie interessiert es nicht, wie man aussieht, riecht oder ob man eine Behinderung hat“, sagt Schöpplein, die für ihren Plan, mit Scotty tiergestützte Pädagogik in der NRD anzubieten, aktuell privat viel Zeit investiert. Berichte und Konzepte, Stundenverlaufs- und Hygienepläne, Stressoren-Listen und diverse Maßnahmen schreiben sich schließlich nicht von allein, ganz abgesehen vom täglichen Training mit Scotty. Aber sie macht es gern. 

Wer Interesse hat, Scottys Arbeit zu erleben, wendet sich bitte an tanja.schoepplein@nrd.de oder 06151- 149 1451.

Ein tiergestützter Einsatz bietet sich an, wenn Menschen mit Beeinträchtigung angeregt werden sollen, sich motorisch, kommunikativ und gruppendynamisch weiterzuentwickeln. Außerdem kann Scotty das Sozialverhalten fördern, oft werden Menschen rücksichtsvoller. Mittlerweile gelangen Forscher zu dem Ergebnis, dass Bindungs- und fürsorgeartige Beziehungen zu Tieren und die Fürsorge für sie das menschliche Oxytocin-System aktivieren. „Tiergestütztes Arbeiten zeigt unterschiedlichste körperliche, psychische und sozialen Auswirkungen auf die Klienten*innen. Dadurch kann ich in meinem pädagogischen Bereich sehr gut die Lebensziele, Aktivitäten und Wünsche im personenzentrierten integrierten Teilhabeplan umsetzten, die aktuell in der NRD von zentraler Bedeutung sind“, sagt Tanja Schöpplein.

 

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  • Inklusion...

    ... heißt für mich, dass alle teilhaben. Es muss nicht immer alles perfekt sein, damit behinderte Menschen teilhaben können. Statt einer Super-Rampe tut es auch ein Stück Sperrholz. Und wenn das auch fehlt, kann man mich auch gerne mal über die Schulter werfen und irgendwo hinein tragen.

    Inklusion...
    Tobias Koch
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