Das Förderprogramm PUSCH ist ein schulisches Kooperationsprojekt zwischen der weiterführenden Gesamtschule Geschwister-Scholl-Schule (GSS) in Bensheim und der kooperativen Gesamtschule Melibokusschule in Alsbach, jeweils in Zusammenarbeit mit der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD). An beiden Schulen wird das Projekt in enger Zusammenarbeit von Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften des freien Trägers NRD durchgeführt.
An der Melibokuschule ist eine PUSCH-Klasse mit mindestens zehn bis maximal 16 Schülerinnen eingerichtet. An der Geschwister-Scholl-Schule werden in diesem Schuljahr zwei PUSCH-Klassen mit jeweils mindestens zehn bis maximal 16 Schülerinnen angeboten.
PUSCH bietet eine enge sozialpädagogische und berufsorientierende Begleitung an: Hier haben Schüler*innen die Möglichkeit, den (qualifizierenden) Hauptschulabschluss zu erreichen und sich gleichzeitig gezielt auf einen gelungenen Übergang in die Berufswelt vorzubereiten.
An der Geschwister-Scholl-Schule absolvieren die Schüler*innen zwei Schultage pro Woche als Praktikum in verschiedenen Betrieben. Die Schüler*innen der Melibokusschule besuchen im ersten Halbjahr an zwei Schultagen pro Woche die Heinrich-Metzendorf-Schule in Bensheim, um dort verschiedene Berufsfelder im praktischen Unterricht kennenzulernen. Im zweiten Halbjahr bestehen die zwei Schultage ebenfalls aus Praktika in verschiedenen Betrieben.“
Wie das PUSCH-Projekt konkret umgesetzt wird, können Sie in folgenden Berichten aus der Praxis nachlesen:
Zielgruppe
Pädagogische Zielsetzung
Sozialpädagogische Angebote
Im Schuljahr 2025/2026 wurde an der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim erstmals das PUSCH-Programm mit zwei Klassen umgesetzt. Zu Beginn nahmen 23 Schülerinnen und Schüler teil, von denen zwei im Laufe des ersten Halbjahrs in ihre Regelklassen zurückkehrten.
Die Jugendlichen profitierten von der individuellen Begleitung durch die PUSCH-Coachinnen und der engen Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus, sozialpädagogischer Unterstützung und externen Netzwerkpartnern. Neben schulischer Förderung standen insbesondere Berufsorientierung, praktische Erfahrungen und persönliche Entwicklung im Mittelpunkt des Schuljahrs. Ein Schwerpunkt lag auf den Praktika in regionalen Betrieben. Die Schülerinnen und Schüler konnten verschiedene Berufsfelder kennenlernen und konkrete Zukunftsperspektiven entwickeln.
Die schulischen Ergebnisse waren durchweg positiv: Alle Teilnehmenden erzielten den Hauptschulabschluss, wobei 16 Jugendliche den qualifizierenden Hauptschulabschluss erlangten. Besonders erfreulich ist, dass in den Klassen insgesamt 9 Ausbildungsplätze sowie zwei Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) vermittelt werden konnten. Zusätzlich wurden die Übergänge in weiterführende Schulformen, insbesondere in die Realschule sowie in Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung, begleitet und gesichert.
Über das gesamte Schuljahr hinweg fanden zahlreiche Betriebsbesichtigungen statt, unter anderem bei Dentsply Sirona, Bürstadt Furniture, Sanner, im Zoo Vivarium Darmstadt, der Gärtnerei Lindenhof, Trumpler in Worms sowie im Lufthansa Seeheim Tagungshotel. Darüber hinaus erhielten die Schülerinnen und Schüler bei einem Besuch des Hessischen Landtags in Wiesbaden Einblicke in politische Entscheidungsprozesse und demokratische Strukturen. Der Besuch der Gedenkstätte Osthofen ermöglichte eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und machte die Bedeutung von Demokratie und Menschenrechten eindrucksvoll erfahrbar. Die Jugendlichen erwarben zudem den Finanzführerschein der AWO Bergstraße und beschäftigten sich mit Themen wie Geld, Verträgen und finanzieller Verantwortung.
Gemeinschaftsfördernde Aktivitäten wie Backprojekte, ein Verkaufsprojekt und ein Kunstprojekt im Jugendzentrum Bensheim stärkten Teamarbeit, Kreativität und Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler. Einen bleibenden Eindruck hinterließ zudem das Rollenspiel mit dem Berufsberater der Arbeitsagentur. Die Schülerinnen und Schüler stellten dabei mit Unterstützung der Erwachsenen gelungene und weniger gelungene Bewerbungsgespräche dar. Im Anschluss wurden die Gesprächsverläufe und das Auftreten der Bewerberinnen und Bewerber gemeinsam reflektiert. Ein weiterer wertvoller Programmpunkt war der Austausch mit dem Schulleiter, der den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegnete und offen von seinem persönlichen Lebensweg sowie seinen beruflichen Erfahrungen berichtete. Eine besondere Gelegenheit zum Austausch bot ebenfalls die Begegnung mit dem Schulpolizisten. Die offene Gesprächsrunde ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, eigene Fragen und Gedanken einzubringen und sich mit Themen auseinanderzusetzen, die für ihren Alltag von Bedeutung sind. Die authentischen Einblicke regten zum Nachdenken an und eröffneten neue Perspektiven für die eigene Zukunftsgestaltung. Ein offener Austausch mit einem ehemaligen PUSCH-Schüler ermöglichte den Schülerinnen und Schülern zudem persönliche Einblicke in die Themen Sucht- und Gewaltprävention sowie in seinen eigenen Lebensweg während und nach PUSCH.
Rückblick auf das Schuljahr 2025/2026 an der Melibokusschule
Mit fünfzehn Jugendlichen startete im Schuljahr 2025/2026 der zweite Durchlauf der PUSCH-Klasse an der Melibokusschule in Alsbach. Auch dieses Jahr besuchten die Schülerinnen und Schüler das erste Schulhalbjahr regelmäßig die Heinrich-Metzendorf-Schule und lernten dort verschiedene Berufsfelder im fachpraktischen Unterricht kennen. Im zweiten Halbjahr fanden die Praxistage direkt in Betrieben statt.
Acht Jugendliche erreichten am Ende ihren qualifizierten Hauptschulabschluss. Vier von ihnen beginnen nach den Sommerferien ihre Ausbildung und die weiteren vier Jugendlichen machen entweder ein FSJ oder besuchen die Berufsschule, um ihre berufliche Vorstellung weiterzuentwickeln. Vier Jugendliche werden die Klasse wiederholen, um ihren Weg fortzusetzen und gestärkt in das Ausbildungsjahr 2027 zu starten. Für die anderen drei Jugendlichen zeichneten sich im ersten Halbjahr andere vorrangige Bedarfe ab.
Neben dem regulären Unterricht gab es eine Vielzahl sozialpädagogischer Angebote, wovon einige auch während der Ferien angeboten wurden. Neben der Bewerbungswerkstatt und den Vorbereitungen/Einkäufen für die Projektprüfung, war in den Osterferien der Besuch der Suchtberatungsstelle in Darmstadt geplant.
Das Schuljahr 2025/2026 bot erneut spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder. Die PUSCH-Klasse hatte die schöne Gelegenheit, in Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsabläufe der Deutschen Bahn, Merck und des Agaplesion Heimathauses reinzuschnuppern. Der gemeinsame Besuch der Ausbildungsmesse in Darmstadt führte ebenfalls zu der ein oder anderen beruflichen Orientierung.
Die Jugendlichen wurden in diesem Schuljahr vermehrt in die Planung und Organisation von sozialpädagogischen Angeboten eingebunden. Die selbst erwirtschafteten Einkünfte aus dem Frühstücksangebot/Snackangebot, die Einnahmen aus den Eisverkäufen sowie der sinnvolle Einsatz dieser Geldressourcen, wurden immer wieder mit den Jugendlichen reflektiert.
Von den Einnahmen der Eisverkäufe, versorgten sich die Jugendlichen mit kleinen Snacks und Drinks für die Prüfungstage. Der Einkauf für ein letztes gemeinsames Frühstück konnte davon ebenfalls finanziert werden.
Als sozialpädagogisches Prüfungsvorbereitungsangebot gab es dieses Jahr Stationsarbeit zu folgenden Themen:
Das Thema Altern in unserer Gesellschaft wurde innerhalb der Klasse immer wieder thematisiert und führte dazu, dass eine Kooperation zwischen der PUSCH Klasse der Melibokusschule und dem Agaplesion Haus in Bickenbach entstand. Zuletzt verbrachten die Jugendlichen einen Vormittag im Agaplesion Haus. Durch einen kleinen Spaziergang sowie tatkräftiger Unterstützung bei der Essenausgabe, sorgten die Jugendlichen dafür, dass sich die Senior*innen gesehen und respektiert fühlten.
In der letzten Schulwoche fand der Besuch der Jugendberufshilfe in Darmstadt statt. Die Jugendlichen lernten sowohl die Arbeitsgebiete der Diakonie kennen als auch die sozialpädagogische Unterstützung und Begleitung auf den Weg in die Berufswelt. Bei Bedarf können die Jugendlichen nun, in den Sommerferien oder darüber hinaus, kostenlos Hilfe in Anspruch nehmen.
Im Rahmen eines zweistündigen Workshops besuchte Pro Familia die Klasse und behandelte altersgerechte Themen rund um sexuelle Gesundheit, Verhütung und persönliche Grenzen. Darüber hinaus setzten sich die Schüler*innen mit den Auswirkungen sozialer Medien auf das eigene Selbstbild auseinander. Dabei wurden insbesondere Themen, wie Bodyshaming, gesellschaftliche Schönheitsideale und der Einfluss digitaler Plattformen auf Selbstwahrnehmung und Selbstwertgefühl reflektiert. Der Austausch bot den Jugendlichen die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen, kritisch zu hinterfragen und einen respektvollen Umgang mit sich selbst und anderen zu stärken.
Mit zwölf motivierten Jugendlichen nahm im Schuljahr 2024/2025 ein besonderes Projekt seinen Lauf: die erste PUSCH-Klasse an der Melibokusschule in Alsbach. Das Jahr war geprägt von praktischen Erfahrungen, persönlichen Erfolgen und wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft.
Praxis von Anfang an
Den Grundstein für den Erfolg legte im ersten Halbjahr der Besuch der Heinrich-Metzendorf-Schule. Dort erhielten die Schüler*innen im Rahmen des fachpraktischen Unterrichts wertvolle Einblicke in verschiedene Berufsfelder. Dies war eine gute Vorbereitung auf das zweite Halbjahr, denn hier fanden die Praxistage direkt in „echten“ Betrieben statt.
Beeindruckende Erfolgsbilanz
Die Ergebnisse sprechen für sich: Sieben der zwölf Jugendlichen erreichten ihren Hauptschulabschluss, sechs davon sogar den qualifizierenden. Besonders erfreulich: Alle sechs Absolvent*innen mit qualifizierendem Abschluss haben durch ihre positiven Erfahrungen in der PUSCH-Klasse beschlossen, ihren schulischen Weg fortzusetzen. Aber auch für diejenigen ohne Abschluss öffneten sich Türen
: Zwei Schüler*innen fanden über ihre Praktika direkt einen Ausbildungsplatz – ein weiterer Schüler nutzt die Chance zur Wiederholung, um seinen persönlichen Weg zu finden.
Mehr als nur Unterricht
Das Herzstück des PUSCH-Projektes im vergangenen Schuljahr bildeten die vielfältigen sozialpädagogischen Angebote, die weit über den regulären Schulalltag hinausgingen. Selbst in den Ferien standen den Jugendlichen Unterstützungsangebote zur Verfügung. In der Bewerbungswerkstatt feilten sie an perfekten Lebensläufen und Anschreiben und übten gezielt für Vorstellungsgespräche.
Berufsorientierung zum Anfassen
Ein roter Faden zog sich durch das gesamte Jahr: die intensive Berufsorientierung. Bei Betriebserkundungen – vom Staatstheater Darmstadt bis zum Tierheim Heppenheim – konnten die Jugendlichen erleben, wie vielfältig die Arbeitswelt ist. Workshops mit externen Partnern wie der Deutschen Bahn oder dem Projekt „Dress for Job" vermittelten zudem Wissenswertes rund um Auftreten, Wirkung und professionelle Kleidung im Berufsleben.
Persönlichkeit stärken, Gemeinschaft erleben
Neben der beruflichen Orientierung kam auch die persönliche Entwicklung nicht zu kurz. Ein Projekttag zum Thema Suchtverhalten, gemeinsam mit der Caritas gestaltet, regte zur Reflexion über wichtige Lebensfragen an. Koch- und Backaktionen sowie der gemeinsame Besuch der „Nacht der Ausbildung" rundeten das Jahr ab und sorgten für viele gemeinsame Erlebnisse und Eindrücke, die über den Unterricht hinauswirkten.
Mit dem Schuljahr 2024/2025 geht für die 13 Teilnehmenden des PUSCH-Projekts an der Geschwister-Scholl-Schule ein erfolgreiches Schuljahr zu Ende. Neun von ihnen erreichten erfolgreich den Hauptschulabschluss, zwei sogar den qualifizierenden Hauptschulabschluss. Vier Jugendliche wiederum starten direkt in eine Ausbildung, wobei ein weiterer Schüler trotz nicht bestandenen Abschlusses ebenfalls eine Ausbildungsstelle antreten wird.
Mehr als nur Unterricht
Das Jahr war geprägt von vielfältigen Projekten und Angeboten, die sowohl die persönliche Entwicklung als auch die Gemeinschaft förderten. Ein zentrales Element: Das regelmäßige Mittagsangebot im PUSCH-Büro, bei dem gemeinsam gekocht und gegessen wurde.
Besonders bereichernd für die Schülerinnen und Schüler war zudem der Besuch ehemaliger PUSH-Teilnehmer*innen, die von ihren beruflichen und schulischen Erfolgen berichteten und so motivierende Einblicke in mögliche Lebenswege gaben.
Raum für Kreativität und gemeinsame Projekte
Das Schuljahr 2024/25 wurde auch geprägt durch ein Backprojekt sowie intensive Lernphasen in den Herbst- und Osterferien für die Hauptfächer und Abschlussprüfungen. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes bestand zudem darin, die Schüler*innen bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche sowie beim Erstellen und Versenden von Bewerbungen zu unterstützen. Auf Wunsch der Jugendlichen wurden zudem Ausflüge außerhalb von Bensheim unternommen.
Ein besonderes Highlight für alle: Die Zusammenarbeit mit dem AWO-Seniorenzentrum: In den Ferien wurden gemeinsam Ostereier bemalt und Gesellschaftsspiele gespielt. Aufgrund der positiven Resonanz luden die Schülerinnen und Schüler die Senior*innen kurzerhand zu einem weiteren Vormittag mit Eisbechern und Gesprächen ein.
Doch damit nicht genug: Internationale Kochaktionen brachten Vielfalt auf den Teller, ein Henna-Aktionstag ließ die Kreativität sprudeln, und beim Muffin- und Kuchenbacken wurde nicht nur gebacken, sondern auch verkauft – die Erlöse des Kuchenverkaufs finanzierten so gemeinsame Ausflüge und Abschlussgeschenke.
Auch die Elternarbeit wurde intensiv gepflegt – auf Wunsch fanden Gespräche direkt in den Wohnungen der Familien statt.
Fit für die Zukunft
Abgerundet wurde das Schuljahr durch ein Schuldenpräventionsprojekt der AWO, bei dem die Jugendlichen ihren „Finanzführerschein" erwarben – praktisches Rüstzeug für die Zukunft.
An der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim haben 9 von 11 PUSCH-Schüler*innen den Hauptschulabschluss erreicht, und 8 von ihnen sogar den qualifizierten Hauptschulabschluss. Drei PUSCH-Schüler*innen konnten eine Ausbildungsstelle finden. In Zusammenarbeit mit der AWO wurde ein Finanzführerschein angeboten, bei dem Themen wie Haushaltsplanung, Kontoführung, Kaufverträge und -verhalten, Autofinanzierung, Wohnkosten und der Umgang mit dem Ausbildungsgehalt behandelt wurden. Außerdem fand ein Suchtpräventionsprojekt in Kooperation mit PRISMA statt. Es gab zwei erfolgreiche Kochprojekte, ein Backprojekt und ein Kunstprojekt in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Bensheim. Während der Ferien wurden verschiedene Aktionen durchgeführt, darunter das Lernen für Abschlussprüfungen, die Suche nach Praktika, das Erstellen von Bewerbungen für Praktika und Ausbildungsstellen, Ausflüge, sowie der Austausch zu Themen wie Kinderrechte und -pflichten und Religion. Besonders im Winter wurde die wöchentliche Mittagspause im PUSCH-Büro mit Tee, Suppe und Müsli verbracht.
Das Projekt PUSCH ist ein Förderprogramm des Landes Hessen und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.
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